Gründe für die niedrige Geburtenrate in Deutschland

Die Geburtenrate ist in Deutschland im Jahr 2009 weiter gesunken. Die geringe Religiosität der Deutschen wird als ein Grund dafür angesehen. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Religiosität und Geburtenrate in Europa nicht im Zusammenhang zueinander stehen. In katholischen europäischen Ländern wie Polen, Spanien und Italien werden ebenfalls niedrige Geburtenraten verzeichnet.

Die höchsten Geburtenraten liegen in Frankreich mit 2,02 Kindern pro Frau vor, gefolgt von den skandinavischen Ländern, wo ebenfalls eine geringe Religiosität besteht. In Deutschland werden pro Frau im Schnitt nur 1,35 Kinder geboren.

Gründe für geringe Geburtenraten

Die Religion, bewusst gelebt oder traditionell, spielt in Deutschland bei den geringen Geburtenraten keine Rolle. In erster Linie werden die Gründe für die niedrige Geburtenrate in Deutschland bei den Frauen selbst gesehen. Auf die Frauen wird Druck ausgeübt, ihnen wird ins Gewissen geredet, um sich für Kinder zu entscheiden. Doch nicht die Frauen tragen die Schuld an dieser Entwicklung. Jeder hat ein Recht auf Familienplanung.

Ein wichtiger Grund liegt an den mangelnden Möglichkeiten für die Kinderbetreuung in Deutschland. In vielen Regionen in den alten Bundesländern sind lediglich für fünf Prozent der Dreijährigen Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten verfügbar. Im Gegensatz dazu sind in Frankreich für 50 Prozent der Kinder Betreuungsmöglichkeiten vorhanden. Bei den Kindern über drei Jahren fehlen in Deutschland Betreuungsplätze für ein Drittel der Kinder. In Frankreich sind für alle Kinder in diesem Alter Betreuungsplätze vorhanden.

In Deutschland soll erst ab 2013 für alle Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz garantiert werden. Diese Tatsache ist erschreckend. Die meisten Familien in Deutschland sind auf zwei Einkommen angewiesen und benötigen daher einen Kinderbetreuungsplatz.

Finanzielle Gründe

Die Entwicklung am Arbeitsplatz ist ein weiterer Grund für die geringen Geburtenraten. In Deutschland ist der Niedriglohnsektor so stark wie in kaum einem anderen Land vertreten. Wesentlich stärker als in den übrigen EU-Ländern sind die Realeinkommen in Deutschland gesunken. Die Zahl der Selbstständigen in Deutschland hat sich erhöht. Fast jede dritte Frau ist in Deutschland selbstständig. Damit diese Frauen nach der Geburt eines Kindes ihren Beruf weiterhin ausüben können, benötigen sie einen Betreuungsplatz.

Das geänderte Scheidungsgesetz in Deutschland führt dazu, dass immer mehr Frauen mit Kindern arbeiten müssen, da sie nach der Scheidung nur einen geringen Unterhalt erhalten. Für Mütter bestehen nur geringe finanzielle und steuerliche Erleichterungen. Frauen überlegen daher sehr genau, ob sie Kinder bekommen sollten.

Bild: panthermedia.net Laura Boese