Wer muss suchen, wer fängt an? Mit einem Abzählreim entscheidet der Zufall – und niemand kann meckern. Hier findest du bekannte und fast vergessene Abzählverse aus alten Sammlungen, dazu die Spielregeln und die Geschichte hinter „ene, mene“.
Der bekannteste Abzählreim
- Ene, mene, miste – woher der Reim kommt und was die Rappelkiste damit zu tun hat.
So funktioniert das Auszählen
- Alle stellen sich im Kreis auf oder strecken eine Faust in die Mitte.
- Ein Kind sagt den Reim und tippt dabei bei jedem Wort (oder jeder Silbe) reihum ein Kind an – sich selbst nicht vergessen.
- Wer beim letzten Wort angetippt wird, ist „raus“ – oder, je nach Spiel, dran.
- Beim Rauszählen geht es weiter, bis nur noch ein Kind übrig ist: Das muss suchen oder fangen.
Kann man beim Abzählen schummeln?
Ein bisschen schon: Wer den Reim gut kennt, kann vorher ausrechnen, bei wem er endet. Deshalb gibt es Reime mit Verlängerung oder mit einer Zahl, die das angetippte Kind selbst nennen darf – dann weiß vorher niemand, wen es trifft. Kleinen Kindern ist das egal: Sie lieben vor allem den Rhythmus.
Abzählreime mit Text
Eins, zwei, Polizei
drei, vier, Offizier,
fünf, sechs, alte Hex’,
sieben, acht, gute Nacht,
neun, zehn, auf Wiedersehn!
Älter als gedacht: 1865 stand der Reim schon in einer Sammlung aus Schlesien, damals mit „drei, vier, Grenadier“. Die Reihe bis „auf Wiedersehn“ ist 1874 genau so gedruckt.
Ich und du, Müllers Kuh
Und Bäckers Kuh,
Müllers Esel
Der bist du.
Bäckers Esel, das bist du.
Eine alte Bauerfrau kocht Rüben
Eine alte Bauerfrau kocht Rüben,
Eine alte Bauerfrau kocht Speck,
Ich oder du musst weg.
Heute zählt man meist „eine alte Frau kocht Rüben“.
Ene dene Dintenfass
Geh in die Schul und lerne was.
Wenn du was gelernet hast,
Komm nach Haus und sag mir was.
Eins zwei drei,
Du bist am allerersten frei.
„Dinte“ ist ein altes Wort für Tinte. Hier ist das letzte Kind nicht „raus“, sondern „frei“.
Eine kleine weiße Bohne
Reisete nach Engelland.
Engelland war zugeschlossen
Und der Schlüssel abgebrochen.
Piff, puff, paff!
Du bist af!
„Engelland“ ist in alten Kinderreimen nicht England, sondern ein fernes Land der Seligen. „Du bist af“ heißt: Du bist ab – also raus.
Eine kleine Piepmaus
Lief ums Rathaus.
Schillewipp, Schillewapp!
Ein Vorfahr des heute beliebten „Eine kleine Micky-Maus …“ – nur mit einer ganz gewöhnlichen Maus.
Eins, zwei, drei, Butter auf den Brei
Butter auf den Brei,
Salz auf den Speck,
Du musst weg.
Eine beine Nuss
Wer nicht ausrennt, muss.
Eine beine Rätsel
Wer backt Brätzel?
Wer backt Kuchen?
Der muss suchen.
Genau richtig vor dem Versteckspiel: Wer übrig bleibt, muss suchen.
Woher kommen „ene, mene“ und Co.?
Abzählreime gehören zu den ältesten Kinderversen. Den frühesten Beleg für „ene, mene“ haben wir in einer Volksliedsammlung von 1807 gefunden. Sammler im 19. Jahrhundert vermuteten, dass viele der rätselhaften Silben verballhornte Zahlwörter sind, etwa aus dem Lateinischen. Wichtig ist beim Abzählen ohnehin nicht der Sinn, sondern der Rhythmus: Nach jedem Schlag wird auf das nächste Kind gezeigt.
Warum manche Reime hier fehlen
„Enne denne dubbe denne“ und „Ix, ax, ux“ haben wir in keinem alten Druck gefunden – ihre Herkunft ist offen, deshalb stehen sie hier nicht. Und bei „Ene, mene, miste“ stammt die bekannte Zeile mit der Kiste aus einer Fernsehserie von 1973; mehr dazu auf der Seite Ene, mene, miste.
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