Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Stille Nacht, heilige Nacht

„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt – gesungen in unzähligen Sprachen, an Heiligabend in Kirchen, Wohnzimmern und Kitas. Hier findest du den Text der drei Strophen, die heute gesungen werden, alle sechs Strophen von Joseph Mohr, die Geschichte aus Oberndorf und eine Druckvorlage.

TextJoseph Mohr (1816)
MelodieFranz Xaver Gruber (1818)
Strophen3 gesungen, 6 im Original
Passt ab3 Jahren
AnlassHeiligabend

Der Liedtext

1
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh!
2
Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Halleluja
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter ist da,
Christ, der Retter ist da.
3
Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt.
Text nach Theomele, 2. Teil, Gütersloh 1836, S. 16–17, einem der ältesten Notendrucke des Lieds (Rechtschreibung behutsam modernisiert; Zeilenanfänge groß).

Diese drei Strophen sind Mohrs erste, sechste und zweite – in genau dieser Reihenfolge singt man das Lied seit den 1830er-Jahren. Die Zählung 1 bis 3 oben ist also nicht die des Dichters.

Was die Wörter bedeuten

  • traut: vertraut, lieb.
  • hochheilig: ganz besonders heilig.
  • hold: lieblich, anmutig.
  • Knabe: ein Junge – gemeint ist das Jesuskind.
  • kundgemacht: bekannt gemacht, verkündet.
  • Halleluja: ein Jubelruf aus dem Hebräischen: „Lobt Gott!“
  • die rettende Stund’: die Stunde der Rettung – mit der Geburt Jesu beginnt für Christen die Erlösung.

Alle sechs Strophen von Joseph Mohr

Joseph Mohr hat sechs Strophen geschrieben. Eine Berliner Zeitschrift druckte sie 1893/94 „in ihrer ursprünglichen Fassung“ nach einer Abschrift aus der Familie Gruber ab; der Wortlaut stimmt mit Mohrs eigener Handschrift bis auf Kleinigkeiten überein. Die Strophen 3, 4 und 5 singt man heute selten.

1
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigen Haar:
Schlafe in himmlischer Ruh,
Schlafe in himmlischer Ruh.
2
Stille Nacht, Heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’:
Jesus in deiner Geburt.
3
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht;
Aus des Himmels goldenen Höhn,
Uns der Gnade Fülle lässt sehn:
Jesum in Menschengestalt.
4
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoss,
Und als Bruder huldvoll umschloss
Jesus, die Völker der Welt.
5
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr, vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß.
6
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht.
Durch der Engel Halleluja
Tönt es laut von Ferne und Nah.
Jesus, der Retter ist da.
Unsere Zeit (Salon-Ausgabe von „Schorers Familienblatt“), Berlin 1893/94, S. 372–374 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Hier in Mohrs Zählung.
  • huldvoll: liebevoll, gnädig.
  • Grimm: Zorn.
  • urgrau: uralt.
  • Schonung verhieß: Rettung versprach.

Woher das Lied kommt

Joseph Mohr (1792–1848) war Hilfspriester im Salzburger Land, als er 1816 die sechs Strophen schrieb. Am Heiligen Abend 1818 war er Hilfspriester in Oberndorf bei Salzburg und bat den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber (1787–1863), eine Melodie dazu zu schreiben – für zwei Singstimmen und Gitarre. In der Christmette sangen die beiden das Lied zum ersten Mal.

Danach wanderte es mit Tiroler Sängerfamilien durch Deutschland, meist ohne die Namen seiner Urheber: Man hielt es für ein Volkslied aus Tirol, und ein Liederbuch von 1843 nennt es schlicht „Weihnacht. Tyrolisch.“ Dabei setzten sich drei der sechs Strophen durch. Auch „hochheilig“ und „Christ, der Retter“ statt „Jesus, der Retter“ stehen schon in einem Druck von 1836.

Der älteste bekannte Druck ist ein kleines Liedheft aus Steyr in Oberösterreich, gedruckt zwischen 1827 und 1832 – mit allen sechs Strophen und so vielen Satzfehlern, dass manche Zeilen kaum Sinn ergeben.

Mit Kindern singen

  • Leise anfangen: Das Lied ist ein Wiegenlied für das Jesuskind – ganz ruhig singen, am schönsten bei Kerzenlicht.
  • Wiegen: Bei „schlaf in himmlischer Ruh“ die Arme wie eine Wiege schaukeln; das Lied steht im wiegenden Sechsachteltakt.
  • Erst eine Strophe: Für Kleine reicht die erste; die mit den Hirten und Engeln kommt im nächsten Jahr dazu.
  • Mit Gitarre: wie bei der ersten Aufführung 1818 – drei Griffe genügen für die Begleitung.

Druckvorlage: das Liedblatt mit den drei bekannten Strophen – für Heiligabend unterm Baum.

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