Ein Schlaflied ist oft das Letzte, was ein Kind am Tag hört – und manchmal das, woran es sich ein Leben lang erinnert. Hier findest du die bekannten Schlaf- und Wiegenlieder mit vollständigem Text, der Geschichte des Lieds und Tipps fürs Abendritual. Alle Texte haben wir aus alten Originalausgaben übernommen.
Die bekanntesten Schlaflieder
- Der Mond ist aufgegangen – das Abendlied von Matthias Claudius, alle sieben Strophen.
- Schlaf, Kindlein, schlaf – eines der ältesten deutschen Wiegenlieder.
- Weißt du, wie viel Sternlein stehen – Sterne, Mücken, Fische und ein tröstlicher Schluss.
- Guten Abend, gut’ Nacht – das Wiegenlied von Johannes Brahms.
Zu jedem dieser Lieder gibt es eine eigene Seite mit Erklärungen, Herkunft und einer Druckvorlage.
Warum Schlaflieder beim Einschlafen helfen
Schlaflieder sind langsam, leise und wiederholen sich. Das ruhige Tempo und die vertraute Stimme geben Sicherheit, und weil jeden Abend dasselbe Lied kommt, wird es zum Zeichen: Jetzt ist Schlafenszeit. Schön singen musst du dafür nicht können – für dein Kind ist deine Stimme die schönste.
Tipps für das Abendritual
- Immer gleich: dasselbe Lied oder dieselben zwei Lieder in derselben Reihenfolge.
- Erst Licht aus, dann singen: gedämpftes Licht und ein ruhiger Raum machen es leichter.
- Summen ist erlaubt: Wenn dir der Text entfällt, summ einfach weiter.
- Leiser werden: die letzte Strophe langsamer und leiser singen.
- Mitsingen lassen: Größere Kinder singen gern mit – bis ihnen die Augen zufallen.
Weitere Schlaflieder mit Text
Guter Mond, du gehst so stille
Karl Enslin (1819–1875) machte 1851 aus einem älteren Liebeslied ein Abendlied für Kinder: Der Mond zieht leise über den Himmel und schaut freundlich in jedes Kämmerlein.
Durch die Abendwolken hin;
Deines Schöpfers weiser Wille
Hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein!
Und dein Schimmer gieße Frieden
Ins bedrängte Herz hinein!
An dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise
Hat als Leuchte hingestellt.
Blicke traulich zu uns nieder
Durch die Nacht aufs Erdenrund!
Als ein treuer Menschenhüter
Tust du Gottes Liebe kund!
Glänzest du im Sternenmeer,
Wallest in dem Lichtgefilde
Hehr und feierlich einher.
Menschentröster, Gottesbote,
Der auf Friedenswolken thront:
Zu dem schönsten Morgenrote
Führst du uns, o guter Mond!
Müde bin ich, geh zur Ruh
Ein Abendgebet der Dichterin Luise Hensel (1798–1876), das sie als junge Frau um 1816 schrieb; gedruckt wurde es 1829, zuerst ohne ihren Namen. Heute singt man oft „Schließe meine Augen zu“ und „machen allen Schaden gut“.
Schließe beide Äuglein zu:
Vater, lass die Augen dein
Über meinem Bette sein!
Sieh es, lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad’ und Jesu Blut
Macht ja allen Schaden gut.
Gott, lass ruhn in deiner Hand.
Alle Menschen, groß und klein,
Sollen dir befohlen sein.
Nasse Augen schließe zu;
Lass den Mond am Himmel stehn,
Und die stille Welt besehn!
Die Blümelein, sie schlafen (Sandmännchen)
Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (1803–1869) veröffentlichte das Lied 1840 als angebliches Volkslied vom Niederrhein – geschrieben hat er es wohl selbst. Johannes Brahms setzte es später für Klavier. In der dritten Strophe kommt das Sandmännchen und streut den Kindern Sand in die Augen.
Schon längst im Mondenschein,
Sie nicken mit den Köpfen
Auf ihren Stängelein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
Er säuselt wie im Traum:
Schlafe, schlafe,
Schlaf du, mein Kindelein!
So süß im Sonnenschein,
Sie sind zur Ruh gegangen
In ihre Nestchen klein.
Das Heimchen in dem Ährengrund,
Es tut allein sich kund:
Schlafe, schlafe,
Schlaf du, mein Kindelein!
Und guckt durchs Fensterlein,
Ob irgend noch ein Liebchen
Nicht mag zu Bette sein.
Und wo er nur ein Kindchen fand,
Streut er ihm in die Augen Sand.
Schlafe, schlafe,
Schlaf du, mein Kindelein!
Es schläft mein Herzchen fein,
Es ist gar fest verschlossen
Schon sein Guckäugelein;
Es leuchtet morgen mir willkomm
Das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe,
Schlaf du, mein Kindelein!
Wer hat die schönsten Schäfchen
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), der auch „Alle Vögel sind schon da“ schrieb, dichtete dieses Lied 1830: Der Mond ist der Schäfer, und die Sterne sind seine Schäfchen.
die hat der goldne Mond,
der hinter unsern Bäumen
am Himmel drüben wohnt.
wenn alles schlafen will,
hervor aus seinem Hause
zum Himmel leis’ und still’.
auf seiner blauen Flur;
denn all’ die weißen Sterne
sind seine Schäfchen nur.
hat eins das andre gern,
und Schwestern sind und Brüder
da droben Stern an Stern.
so fällt mir immer ein:
O lasst uns auch so freundlich
wie diese Schäfchen sein!
Abend wird es wieder
Noch ein Abendlied von Hoffmann von Fallersleben: Über Wald und Feld wird es still – nur der Bach rauscht immer weiter.
Über Wald und Feld
säuselt Friede nieder,
und es ruht die Welt.
sich am Felsen dort,
und er braust und fließet
immer, immer fort.
Frieden ihm und Ruh;
keine Glocke klinget
ihm ein Rastlied zu.
bist, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
wahre Abendruh!
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein
Lange hieß es „Mozarts Wiegenlied“ – doch die Melodie ist nicht von Mozart. Der Text stammt von Friedrich Wilhelm Gotter (1746–1797) aus seinem Schauspiel „Esther“ von 1795; komponiert hat das Lied vermutlich Bernhard Flies oder Johann Friedrich Anton Fleischmann. Im Stück singt die Zofe Fatme das Lied, und dabei schläft der Leibarzt ein. Die zweite und dritte Strophe sind augenzwinkernd gemeint: Die Zofe seufzt verliebt, und das Prinzchen wird mit Spielzeug, Zucker und „Karessen“ – Liebkosungen – verwöhnt.
Schäfchen und Vögelchen nun;
Garten und Wiese verstummt;
Auch nicht ein Bienchen mehr summt;
Luna mit silbernem Schein
Gucket zum Fenster herein.
Schlafe beim silbernen Schein,
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf’ ein!
Schlaf’ ein! schlaf’ ein!
Alles in Schlummer gewiegt;
Reget kein Mäuschen sich mehr;
Keller und Küche sind leer.
Nur in der Zofe Gemach
Tönet ein schmelzendes Ach.
Was für ein Ach mag das sein?
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf’ ein!
Schlaf’ ein! schlaf’ ein!
Nichts als Vergnügen und Ruh!
Spielwerk und Zucker vollauf;
Und noch Karessen im Kauf!
Alles besorgt und bereit,
Dass nur mein Prinzchen nicht schreit!
Was wird das künftig erst sein?
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf’ ein!
Schlaf’ ein! schlaf’ ein!
Aber Heidschi bumbeidschi und Eia popeia
„Aber Heidschi bumbeidschi“ stammt aus Österreich und Bayern. Eine Vorform ist schon 1819 aufgeschrieben, den heute gesungenen Wortlaut haben wir aber in keinem alten Druck gefunden – deshalb steht er hier nicht. Die bekannten Schlagerfassungen aus den 1960er-Jahren sind eigene, geschützte Bearbeitungen.
„Eia popeia, was raschelt im Stroh“ steht schon 1808 in der Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Es bekommt bald eine eigene Seite.
Bekannte neuere Schlaflieder
Viele Schlaflieder, die heute in Kitas beliebt sind, sind erst nach 1950 entstanden. Ihre Texte sind urheberrechtlich geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod der Autorinnen und Autoren vergangen sind. Wir nennen sie hier mit Titel und Urheber, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Büchern der Verlage:
- „La-Le-Lu – nur der Mann im Mond schaut zu“ – Text und Musik: Heino Gaze (1950), bekannt aus dem Film „Wenn der Vater mit dem Sohne“ (1955).
- „Sandmann, lieber Sandmann“ – Text: Walter Krumbach, Musik: Wolfgang Richter; das Titellied des Sandmännchens im Fernsehen. Nicht zu verwechseln mit dem alten „Sandmännchen“ weiter oben.
Mehr für den Abend
Ruhige Verse zum Aufsagen findest du bei den Gedichten für Kinder, zum Beispiel Mörikes „Septembermorgen“ bei den Herbstgedichten.