Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Der Mond ist aufgegangen

„Der Mond ist aufgegangen“ ist wohl das bekannteste deutsche Abendlied. Matthias Claudius hat es vor fast 250 Jahren geschrieben, und bis heute singen Eltern es ihren Kindern zum Einschlafen vor. Hier findest du alle sieben Strophen, erfährst, was die alten Wörter bedeuten, welche Strophen meist gesungen werden und woher das Lied kommt.

Passt abGeburt (zum Vorsingen)
TextMatthias Claudius, 1779
MelodieJ. A. P. Schulz, 1790
Strophen7, meist gesungen 1–3 und 7
Stimmungruhig, zum Einschlafen

Der Liedtext

1
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
2
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
3
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
4
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste,
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.
5
Gott, lass uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Lass uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!
6
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
7
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon’ uns, Gott mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!
Text und Melodie nach Johann Abraham Peter Schulz, Lieder im Volkston, 3. Teil, Berlin 1790, S. 52 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Erstdruck des Gedichts: Musen-Almanach für 1779, S. 184–186.

Was in dem Lied passiert

Das Lied beginnt draußen: Der Mond steht am Himmel, der Wald ist dunkel und still, über den Wiesen liegt Nebel. Dann wird es nachdenklich: Der Mond ist nur halb zu sehen und trotzdem rund – so gibt es vieles, was wir nicht ganz sehen. In den mittleren Strophen bittet der Dichter um ein einfaches, frohes Leben. Die letzte Strophe schickt alle ins Bett und denkt dabei auch an den kranken Nachbarn.

Alte Wörter, kurz erklärt

  • prangen: prächtig leuchten.
  • in der Dämmrung Hülle: eingehüllt in die Dämmerung.
  • traulich: gemütlich und vertraut.
  • belachen: über etwas lachen.
  • eitel: hier: nichts als, lauter.
  • Luftgespinste: Luftschlösser, Dinge, die man sich nur ausdenkt.
  • sonder Grämen: ohne Kummer.

Welche Strophen singt man?

Zum Einschlafen singen viele nur die Strophen 1, 2, 3 und 7 – sie erzählen vom Abend und vom Schlafengehen. In Gesangbüchern stehen alle sieben. In der sechsten Strophe bittet der Dichter um einen „sanften Tod“ am Ende des Lebens. Für Menschen im 18. Jahrhundert war das ein tröstlicher Gedanke; kleine Kinder kann er verunsichern. Deshalb lassen viele diese Strophe beim Vorsingen weg.

So singst du es zum Einschlafen

  1. Licht dimmen und dein Kind in den Arm nehmen oder dich neben das Bett setzen.
  2. Langsam und leise singen – das Lied ist ruhig und braucht kein Tempo.
  3. Bei „Seht ihr den Mond dort stehen?“ gemeinsam aus dem Fenster schauen, wenn der Mond zu sehen ist.
  4. Die letzte Strophe noch leiser singen und am Ende einfach weitersummen.

Ab welchem Alter – und was es bewirkt

Zum Vorsingen passt das Lied von Geburt an: Babys verstehen die Worte noch nicht, aber sie spüren die ruhige Melodie und die vertraute Stimme. Ab etwa drei Jahren singen Kinder die erste Strophe mit. Mit Grundschulkindern kannst du über das Bild vom halben Mond sprechen: Nur weil wir etwas nicht sehen, ist es trotzdem da.

Woher das Lied kommt

Matthias Claudius (1740–1815) lebte in Wandsbek bei Hamburg und veröffentlichte oft unter dem Namen „Asmus“. Sein „Abendlied“ erschien 1779 im Musen-Almanach, einem Jahrbuch für neue Gedichte. Die Melodie, die heute jedes Kind kennt, schrieb Johann Abraham Peter Schulz (1747–1800) im Jahr 1790. Der Titel seiner Sammlung verrät, was er wollte: Lieder im Volkston – so schlicht, dass jeder sie singen kann.

Varianten

Im Erstdruck endete die sechste Strophe noch mit „Du lieber treuer frommer Gott!“ – die heute gesungene Zeile hat Claudius später selbst geändert. In neueren Liederbüchern steht manchmal „und unsern kranken Nachbarn auch“ oder eine moderne Umdichtung. Wir drucken den Text so, wie er 1790 mit der Melodie erschien.

Ideen für Kita und Grundschule

  • Mondtagebuch: eine Woche lang abends den Mond malen – mal halb, mal voll, mal gar nicht zu sehen.
  • Bild zur ersten Strophe: schwarzer Wald, weißer Nebel, goldene Sterne – mit Wachsmalern auf dunklem Papier.
  • Abschlusslied: als festes Ritual am Ende einer Kita-Übernachtung oder eines Laternenfests.
  • Grundschule: über Strophe 3 sprechen: Was gibt es noch, das wir nicht sehen und das trotzdem da ist?

Druckvorlage: das Liedblatt mit allen sieben Strophen – für den Nachttisch oder den Liederordner.

PDF herunterladen

Mehr Lieder zum Einschlafen

Weitere Lieder für die Abendzeit findest du bei den Schlaf- und Wiegenliedern.

Nach oben scrollen