Im November leuchten überall Laternen: Kinder ziehen mit ihren selbst gebastelten Lichtern durch die Straßen und singen dazu. Hier findest du die alten Laternen- und Martinslieder mit vollständigem Text, dazu Verse fürs Singen an der Haustür, ein Laternengedicht und Tipps für den Umzug.
Die bekanntesten Laternenlieder mit Text
- Ich geh mit meiner Laterne – das Gehlied für jeden Umzug, schon 1818 bekannt.
- Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne – der kurze Vers, den schon die Kleinsten mitsingen.
- Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind – die Geschichte vom geteilten Mantel in vier Strophen.
Zu jedem dieser Lieder gibt es eine eigene Seite mit Bewegungen, der Geschichte des Lieds und einer Druckvorlage fürs Liedblatt.
Lasst uns froh und munter sein – die alte Martinsfassung
Heute kennen die meisten dieses Lied als Nikolauslied. Im Rheinland sangen Kinder es um 1900 aber auch am Martinsabend – mit ganz eigenen Strophen über Kürbislaternen, Kerzen und Kuchen. So wurde es 1904 in Düsseldorf aufgeschrieben:
Und uns heute kindlich freu’n.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Rasch das Kerzlein angebrannt.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Über das liebe Kerzlein her.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
O dann freu’n die Eltern sich.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Wirft auch Sankt Martinus was.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
O dann geh’n wir froh nach Haus,
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Uns die Mutter Kuchen auch.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Unserm lieben Gott dafür.
Lustig, lustig tralleralera!
Nun ist Martinsabend da.
Mit dem „Kürbis“ ist eine ausgehöhlte Frucht gemeint, in die man eine Kerze stellte – eine Laterne aus dem Garten, lange bevor es Papierlaternen zu kaufen gab. Die dritte Strophe beschreibt ein Spiel: Die Kinder springen über die brennenden Kerzen. In der fünften wirft Sankt Martin den Kindern etwas zu.
Verse für das Singen an der Haustür
Früher gingen Kinder am Martinsabend mit ihren Laternen von Haus zu Haus, sangen einen kurzen Vers und bekamen dafür Obst, Nüsse oder Gebäck – ein bisschen wie heute an Halloween. In manchen Gegenden ist der Brauch bis heute lebendig. Zwei solcher Verse sind 1904 aus Düsseldorf überliefert:
Hier wohnt ein reicher Mann
Der uns vieles geben kann;
Lang soll er leben, selig soll er sterben,
Das Himmelreich erwerben.
Ich bin ein kleiner König
Gebt mir nicht zu wenig;
Lasst mich nicht zu lange steh’n,
Denn ich muss noch weiter geh’n!
Der erste Vers wünscht großzügigen Nachbarn ein langes Leben, der zweite ist ein freches Drängeln: Lass mich nicht zu lange warten, ich muss noch weiter! Wenn ihr den Brauch ausprobieren möchtet, klingelt am besten nur bei Nachbarn, die ihr kennt.
Ein Laternengedicht von Heinrich Seidel
Heinrich Seidel (1842–1906) war Ingenieur in Berlin und schrieb nebenbei viele Gedichte für Kinder. In seinem „Laternenlied“ gehen die Kinder abends mit Laternen durch den Garten – und singen dabei den alten Vers „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“. Das Gedicht zeigt, wie bekannt der Vers schon um 1900 war.
Und die Fledermaus schon schwirrt,
Gehn wir mit Laternen aus
In den Garten hinterm Haus,
Und im Auf- und Niederwallen
Lassen wir das Lied erschallen:
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.
Fern und nah die Lichter glühn,
Schimmern auf den hellen Steig,
Spiegeln sich im schwarzen Teich;
Rosig aus dem Dunkel leuchtet
Manche Blume taubefeuchtet.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!
Kommt der gute Mond hervor,
Wandelt seine Himmelsbahn
Als ein Hauptlaternenmann,
Leuchtet bei dem Sterngefunkel
Lieblich aus dem blauen Dunkel.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!
Blasen die Laternen aus,
Lassen Mond und Sternelein
Leuchten in der Nacht allein,
Bis die Sonne wird erwachen,
Alle Lampen auszumachen.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!
- Auf- und Niederwallen: das Auf und Ab der Laternen beim Gehen.
- Steig: ein schmaler Weg.
- Hauptlaternenmann: Seidels Scherzwort für den Mond – den obersten aller Laternenträger.
Die Geschichte von Sankt Martin
Wer war Martin, und warum teilte er seinen Mantel? Die Geschichte von Sankt Martin gibt es bei uns kindgerecht erzählt – zum Vorlesen vor dem Umzug, mit Hintergrund zu Laternen, Martinsgans und Weckmann.
Bekannte neuere Lieder – warum der Text hier fehlt
Viele Lieder, die heute in Kitas gesungen werden, sind erst nach 1950 entstanden. Ihre Texte sind urheberrechtlich geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod der Autorinnen und Autoren vergangen sind. Wir nennen sie hier, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Liederbüchern der Verlage:
- „Durch die Straßen auf und nieder“ – Text: Lieselotte Holzmeister, Melodie: Richard Rudolf Klein
- „Kommt, wir woll’n Laterne laufen“ – Text und Melodie: Rolf Zuckowski
- „Ein bisschen so wie Martin“ – Text: Elke Bräunling, Melodie: Paul G. Walter
- „Tragt in die Welt nun ein Licht“ – Text und Melodie: Wolfgang Longardt (1972)
Auch für „Laternenlicht, verlösch mir nicht“ und „Mein Licht ist aus, wir gehn nach Haus“ haben wir keinen Druck aus der Zeit vor 1956 gefunden. Solange ihre Herkunft ungeklärt ist, drucken wir sie nicht ab.
Tipps für den Laternenumzug
- Licht: Für kleine Kinder sind LED-Laternenstäbe die sichere Wahl. Echte Kerzen nur, wenn ein Erwachsener direkt daneben geht.
- Gut sichtbar: Reflektoren an Jacke und Ranzen oder eine Warnweste – der Umzug findet im Dunkeln statt.
- Warm anziehen: Mütze, Handschuhe und feste Schuhe; Umzüge dauern oft länger als gedacht.
- Lieder üben: Wer die ersten Zeilen kennt, singt unterwegs mit. Die Liedblätter kannst du bei jedem Lied als PDF ausdrucken.
- Termin: Viele Kitas und Gemeinden laufen in den Tagen rund um den 11. November – frag am besten nach dem genauen Tag.