Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Weihnachtsgedichte für Kinder

Ein Gedicht unterm Weihnachtsbaum gehört für viele Familien zum Heiligen Abend dazu. Hier findest du zehn Weihnachtsgedichte für Kinder, geordnet nach Alter: kurze Verse für die Kita, Klassiker für die Grundschule und zwei Gedichte für Ältere zum Vorlesen – jeweils mit vollständigem Text, Quelle und einer kurzen Erklärung.

Auf einen Blick

Mit eigener Seite: Knecht Ruprecht („Von drauß’ vom Walde komm ich her“), Advent, Advent, ein Lichtlein brennt und die Nikolausgedichte.

Kurze Weihnachtsgedichte für Kinder

Diese vier Gedichte sind kurz, reimen sich deutlich und erzählen eine kleine Geschichte – genau richtig für Kinder im Kindergartenalter, die zum ersten Mal etwas aufsagen möchten.

Ernst von Wildenbruch: Christkind kam in den Winterwald

Ernst von Wildenbruch (1845–1909) schrieb vor allem Theaterstücke und Balladen. Diese kleine Legende erschien 1899 in einer Berliner Zeitschrift: Das Christkind kommt in den verschneiten Wald, und wo es geht, beginnt es zu blühen. Ein Apfelbaum schüttelt ihm seine Früchte in die Taschen – und die bringt es den Kindern. Heute kennt man das Gedicht oft unter dem Titel „Christkind im Walde“.

Christkind kam in den Winterwald,
Der Schnee war weiß, der Schnee war kalt,
Doch als das heilge Kind erschien,
Fing’s an im Winterwald zu blühn.
Christkindlein trat zum Apfelbaum,
Erweckt ihn aus dem Wintertraum —
„Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
Schenk Äpfel mir von aller Art.“
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
Der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel rings umher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.
Die süßen Früchte alle nahm’s,
Und also zu den Menschen kam’s.
Nun, süße Mäulchen, kommt, verzehrt,
Was euch Christkindlein heut beschert.
Die Woche, Berlin, Nr. 41, Dezember 1899, S. 1635, unter dem Titel „Weihnachtslegende“ (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

Zum Mitmachen: Bei „Der Apfelbaum, er rüttelt sich, der Apfelbaum, er schüttelt sich“ schütteln sich alle wie ein Baum. „Mäulchen“ sind kleine Münder – gemeint sind die naschenden Kinder.

Robert Reinick: Der Weihnachtsbaum

Robert Reinick (1805–1852) war Maler und Dichter und schrieb viele Lieder und Verse für Kinder. Hier bringen die Kinder jubelnd den Christbaum ins Haus. Sie haben Mitleid mit ihm – draußen trug er nichts als Schnee – und wollen wissen, was er morgen tragen wird. Doch der Baum verrät nichts: Er „weiß schon, was er weiß“.

Juchheissassa, juchheissa!
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum
Der alles lustig macht!
Du armer, armer Tannenbaum,
Wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee!
So sag’ uns doch, du schmucker Baum,
Was wirst du morgen tragen! —
Hoho! so darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen.
Juchheissassa, Juchheissa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß!
Robert Reinick’s Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch, Bielefeld und Leipzig 1873, S. 195 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

„Juchheissassa“ ist ein alter Jubelruf wie „juchhe“. Die Zeile „Wir bringen ihn gebracht“ steht wirklich so im alten Druck. Beim ersten und letzten Juchheissassa dürfen alle in die Luft springen.

Anna Ritter: Vom Christkind

Anna Ritter (1865–1921) war zu ihrer Zeit eine viel gelesene Dichterin. Ihr Gedicht klingt wie ein aufgeregter Bericht: Ein Kind hat das Christkind gesehen, mit Schnee auf der Mütze und gefrorenem Näschen, einen schweren Sack hinter sich herziehend. Was darin ist? Das wird nicht verraten – aber es roch nach Äpfeln und Nüssen.

Denkt euch — ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her —
was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack —
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss was Schönes drin:
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
Aufwärts. Christliches Tageblatt, Bielefeld, 30. März 1924, S. 3 (Abdruck aus einem Lesebuch; Rechtschreibung behutsam modernisiert). Gedruckt schon 1910 im Deutschen Weihnachtsbuch.

In vielen Büchern steht heute „mit rotgefrorenem Näschen“ – so hieß es schon in einem Schullesebuch von 1938. Beide Fassungen sind alt und frei. „Naseweise“ sind neugierige Kinder, und „Schelmenpack“ ist ein liebevolles Wort für eine Bande kleiner Schlingel.

Christian Morgenstern: Das Weihnachtsbäumlein

Was passiert eigentlich mit dem Weihnachtsbaum nach dem Fest? Christian Morgenstern (1871–1914), bekannt für seine lustigen Galgenlieder, erzählt es: Erst steht das Tännlein geschmückt in der Stube, dann vertrocknet es im Garten – bis ein frierender Gärtner es in seinen Ofen steckt. Da sprüht es und flammt zum Himmel. Ein schönes Gedicht für die Tage, an denen der Baum abgeschmückt wird.

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
Da stand’s im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war’n verdorrt,
Die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm —
hei! tat’s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.
Der Schwäbische Jugendfreund, Beilage der Württemberger Zeitung, Stuttgart, 20. Dezember 1928, S. 203 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

Weihnachtsgedichte für die Grundschule

Etwas länger, mit schönen alten Wörtern und Bildern: Diese Gedichte eignen sich zum Auswendiglernen in der Schule und zum Vortragen bei der Weihnachtsfeier.

Hoffmann von Fallersleben: Der Traum

Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), der Dichter von „Alle Vögel sind schon da“, erzählt von einem Traum: Auf dem Tisch steht ein prächtiger Weihnachtsbaum mit Lichtern, goldenen Äpfeln und Zuckerpuppen. Doch als das Kind nach einem Apfel greift, ist alles verschwunden. Der Baum tröstet: Bald ist es so weit. Für Kindergartenkinder reichen die ersten fünf Strophen.

Ich lag und schlief, da träumte mir
Ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
Ein hoher Weihnachtsbaum.
Und bunte Lichter ohne Zahl,
Die brannten rings umher,
Die Zweige waren allzumal
Von gold’nen Äpfeln schwer.
Und Zuckerpuppen hingen dran:
Das war ’mal eine Pracht!
Da gab’s, was ich nur wünschen kann,
Und was mir Freude macht.
Und als ich nach dem Baume sah
Und ganz verwundert stand,
Nach einem Apfel griff ich da,
Und alles, alles schwand.
Da wacht’ ich auf aus meinem Traum
Und dunkel war’s um mich:
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
Sag’ an, wo find’ ich dich?
Da war es just als rief er mir:
„Du darfst nur artig sein,
Dann steh’ ich wiederum vor dir —
Jetzt aber schlaf nur ein!“
„Und wenn du folgst und artig bist,
Dann ist erfüllt dein Traum,
Dann bringet dir der heil’ge Christ
Den schönsten Weihnachtsbaum.“
Hoffmann von Fallersleben, Die Kinderwelt in Liedern, Mainz 1853, S. 109–110 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Zuerst 1843 in seinen Funfzig Kinderliedern.

„Zuckerpuppen“ waren Figuren aus Zucker, die früher am Baum hingen; „allzumal“ heißt alle zusammen. „Artig sein“ und „folgen“ stammen aus einer Zeit, in der Kinder vor allem gehorchen sollten – wenn dir das nicht gefällt, endet einfach nach der fünften Strophe mit der Frage an den Baum.

Rainer Maria Rilke: Advent

Rainer Maria Rilke (1875–1926) schrieb dieses Gedicht mit 22 Jahren im Dezember 1897 in Schmargendorf bei Berlin; ein Jahr später eröffnete es seinen Gedichtband „Advent“. Der Wind treibt die Schneeflocken durch den Wald wie ein Hirte seine Herde, und eine junge Tanne ahnt, dass sie bald ein Weihnachtsbaum sein wird. Nur acht Zeilen – gut zum Auswendiglernen.

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird;
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin — bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.
Rainer Maria Rilke, Advent, Leipzig 1898, S. 5 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

lichterheilig heißt festlich mit Kerzen geschmückt; mit der „einen Nacht der Herrlichkeit“ ist die Heilige Nacht gemeint.

Joseph von Eichendorff: Weihnachten

Joseph von Eichendorff (1788–1857) gehört zu den großen Dichtern der Romantik. Am Heiligen Abend geht er durch die stillen Straßen: In den Häusern brennen die Lichter, Kinder bestaunen das Spielzeug in den Fenstern. Dann wandert er hinaus aufs verschneite Feld, wo es unter dem Sternenhimmel ganz still wird. Zum Lernen reichen auch die ersten beiden Strophen.

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen —
O du gnadenreiche Zeit!
Joseph von Eichendorff, Werke, Bd. 1: Gedichte, Berlin 1841, S. 381 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).
  • sinnend: nachdenklich.
  • hehr: erhaben, feierlich.
  • heil’ges Schauern: ein feierliches Gefühl, das einem über den Rücken läuft.
  • gnadenreich: voller Güte.

Theodor Storm: Weihnachtslied

Von Theodor Storm stammt nicht nur Knecht Ruprecht, sondern auch dieses stille Weihnachtslied: Ein Stern lacht vom Himmel, aus dem Tannenwald duftet es, und von fern läuten die Glocken – da fühlt sich der Erwachsene wieder wie ein staunendes Kind. Jede Strophe hat fünf Zeilen; die dritte und vierte reimen sich auf die erste.

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.
Theodor Storm, Gedichte, Berlin 1875, S. 7 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Zuerst 1851 in etwas anderer Fassung.

Klüfte sind Schluchten und tiefe Täler; „froh erschrocken“ heißt freudig überrascht.

Zum Vorlesen für Ältere

Friedrich Rückert: Des fremden Kindes heiliger Christ

Das längste Gedicht auf dieser Seite schrieb Friedrich Rückert (1788–1866); es erschien am 4. Januar 1816 unter einem Decknamen in einer Stuttgarter Zeitschrift. Ein fremdes Kind läuft am Heiligen Abend allein durch eine Stadt und schaut in die hellen Fenster. Niemand lässt es herein. Da kommt ihm das Christkind entgegen und deutet hinauf zu einem Christbaum aus lauter Sternen.

Bitte vorher selbst lesen: Das Ende ist traurig und tröstlich zugleich. Die Engel holen das frierende Kind zu sich in den Himmel – gemeint ist, dass es stirbt. Das Gedicht passt eher zum Vorlesen für ältere Grundschulkinder und kann ein Anlass sein, über Menschen zu sprechen, die an Weihnachten allein sind.

Es läuft ein fremdes Kind
Am Abend vor Weihnachten
Durch eine Stadt geschwind,
Die Lichter zu betrachten,
Die angezündet sind.
Es steht vor jedem Haus
Und sieht die hellen Räume,
Die drinnen schau’n heraus,
Die lampenvollen Bäume;
Weh wird’s ihm überaus.
Das Kindlein weint und spricht:
„Ein jedes Kind hat heute
Ein Bäumchen und ein Licht,
Und hat dran seine Freude,
Nur bloß ich armes nicht.
„An der Geschwister Hand
Als ich daheim gesessen,
Hat es mir auch gebrannt;
Doch hier bin ich vergessen
In diesem fremden Land.
„Lässt mich denn niemand ein?
Und gönnt mir auch ein Fleckchen?
In all den Häuserreih’n
Ist denn für mich kein Eckchen,
Und wär’ es noch so klein?
„Lässt mich denn niemand ein?
Ich will ja selbst nichts haben;
Ich will ja nur am Schein
Der fremden Weihnachtsgaben
Mich laben ganz allein.“
Es klopft an Tür und Tor,
An Fenster und an Laden;
Doch niemand tritt hervor,
Das Kindlein einzuladen;
Sie haben drin kein Ohr.
Ein jeder Vater lenkt
Den Sinn auf seine Kinder;
Die Mutter sie beschenkt,
Denkt sonst nichts mehr noch minder:
Ans Kindlein niemand denkt.
„O lieber heil’ger Christ,
Nicht Mutter und nicht Vater
Hab’ ich, wenn du’s nicht bist.
O sei du mein Berater,
Weil man mich hier vergisst.“
Das Kindlein reibt die Hand,
Sie ist von Frost erstarret;
Es kriecht in sein Gewand,
Und in dem Gässlein harret,
Den Blick hinaus gewandt,
Da kommt mit einem Licht
Durchs Gässlein hergewallet,
Im weißen Kleide schlicht,
Ein ander Kind — wie schallet
Es lieblich, da es spricht:
„Ich bin der heil’ge Christ,
War auch ein Kind vordessen,
Wie du ein Kindlein bist;
Ich will dich nicht vergessen,
Wenn alles dich vergisst.
„Ich bin mit meinem Wort
Bei allen gleichermaßen;
Ich biete meinen Hort
So gut hier auf den Straßen,
Wie in den Zimmern dort.
Ich will dir deinen Baum,
Fremd Kind, hier lassen schimmern
Auf diesem offnen Raum,
So schön, dass die in Zimmern
So schön sein sollen kaum.“
Da deutet mit der Hand
Christkindlein auf zum Himmel,
Und droben leuchtend stand
Ein Baum voll Sterngewimmel
Vielastig ausgespannt.
So fern und doch so nah,
Wie funkelten die Kerzen!
Wie ward dem Kindlein da,
Dem fremden, still zu Herzen,
Da’s seinen Christbaum sah.
Es ward ihm wie im Traum;
Da langten hergebogen
Englein herab vom Baum
Zum Kindlein, das sie zogen
Hinauf zum lichten Raum.
Das fremde Kindlein ist
Zur Heimat jetzt gekehret,
Bei seinem heil’gen Christ;
Und was hier wird bescheret,
Es dorten leicht vergisst.
Morgenblatt für gebildete Stände, Stuttgart, Nr. 4, 4. Januar 1816, S. 13–14, gezeichnet „Freimund Reimar“ (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

„Vordessen“ heißt früher, ein „Hort“ ist ein Schatz, und ein „Berater“ ist hier jemand, der einem beisteht.

Joachim Ringelnatz: Vorfreude auf Weihnachten

Zum Schluss ein Gedicht für die Großen: Joachim Ringelnatz (1883–1934), bekannt für seine komischen Seemannsverse, ist hier ganz leise. Die Vorfreude weckt in ihm das Kind von früher, und er wünscht sich, dass wenigstens einmal im Jahr alle Menschen friedlich wie Geschwister beisammen sind. Vielleicht zum Vorlesen, wenn die Kerzen brennen.

Ein Kind — von einem Schiefertafel-Schwämmchen
Umhüpft — rennt froh durch mein Gemüt.
Bald ist es Weihnacht! — Wenn der Christbaum blüht,
Dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt
Uns mild. — Es werden Lieder, Düfte fächeln. —
Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,
Wird dann doch gütig lächeln.
Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
Alle unfeindlich sind — einmal im Jahr! —
Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.
Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.
Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte, Berlin 1933, S. 52–53.

Früher schrieben Schulkinder auf eine Tafel aus Schiefer, an der ein kleiner Schwamm an einer Schnur hing – beim Rennen hüpfte er mit. An dieses Bild erinnert sich Ringelnatz in der ersten Zeile.

Ein Gedicht aufsagen – so klappt es

  1. Such ein Gedicht aus, das zum Alter passt: Für Kindergartenkinder reichen vier bis acht Zeilen.
  2. Fang zwei, drei Wochen vorher an und sprich es jeden Tag einmal gemeinsam – lieber kurz und oft.
  3. Erfindet zu jeder Zeile eine kleine Bewegung; so merkt sich dein Kind die Reihenfolge.
  4. Beim Vortrag langsam sprechen, am Zeilenende kurz Luft holen und ins Publikum schauen.
  5. Hängen geblieben? Gemeinsam die letzte Zeile wiederholen – meistens kommt der Rest von allein.

Ein schöner Brauch: Das Gedicht sauber abschreiben, ein Bild dazu malen und es verschenken – etwa an Oma und Opa.

Bekannte neuere Weihnachtsgedichte

Einige beliebte Weihnachtsgedichte sind noch urheberrechtlich geschützt. Wir nennen sie, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Büchern der Verlage:

  • „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“ – Erich Kästner (1927), eine bissige Parodie auf „Morgen, Kinder, wird’s was geben“, eher für Erwachsene
  • „Advent“ – Loriot (1969), schwarzer Humor und kein Kindergedicht
  • „Die Weihnachtsmaus“ – James Krüss
  • Weihnachts- und Wintergedichte von Josef Guggenmos und Mascha Kaléko

Paula Dehmels „Weihnachtsschnee“ ist zwar frei, doch wir haben noch keinen alten Druck gefunden, aus dem wir den Text zuverlässig übernehmen können – deshalb fehlt es hier vorerst.

Mehr für Advent und Weihnachten

Lieder zum Fest findest du bei den Weihnachtsliedern, zum Beispiel Morgen, Kinder, wird’s was geben. Gedichte für die Zeit nach dem Fest stehen bei den Wintergedichten.

Nach oben scrollen