„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“ – diesen Vers sprechen Kinder, wenn am Adventskranz eine neue Kerze angezündet wird. Hier findest du den Text, ein Fingerspiel dazu, eine Idee für jeden Adventssonntag und die Geschichte des Verses: Er ist älter, als die meisten Nachschlagewerke angeben.
Der Vers
Ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
Dann steht das Christkind vor der Tür.
So spielt ihr den Vers mit den Fingern
- „Advent, Advent“ – beide Hände wie eine Schale vor den Bauch halten: Das ist der Kranz.
- „Ein Lichtlein brennt“ – einen Zeigefinger als Kerze hochstrecken und mit der anderen Hand die Flamme flackern lassen.
- „Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier“ – nacheinander vier Finger zeigen und laut mitzählen.
- „Dann steht das Christkind vor der Tür“ – dreimal auf den Tisch klopfen und die Hände wie eine Tür aufklappen.
Kleine Kinder zählen gern nur bis zu der Kerze, die gerade an der Reihe ist: Am zweiten Advent heißt es dann „erst eins, dann zwei“ – und die Spannung, wann endlich die vierte brennt, wächst von Woche zu Woche.
Ein Ritual für jeden Adventssonntag
- Erster Advent: die erste Kerze anzünden, den Vers sprechen und ein Adventslied singen – etwa „Macht hoch die Tür“ von unserer Seite mit den Weihnachtsliedern.
- Zweiter Advent: Zwei Kerzen brennen – dein Kind darf zeigen, welche schon länger brennt: Sie ist ein Stück kleiner.
- Dritter Advent: drei Kerzen und dazu ein kurzes Gedicht, zum Beispiel aus unseren Weihnachtsgedichten.
- Vierter Advent: Alle vier brennen – jetzt steht das Christkind wirklich bald vor der Tür.
Brennende Kerzen bleiben nie ohne Erwachsene, und ein trockener Kranz fängt schnell Feuer. Für kleine Kinder gibt es Adventskränze mit LED-Kerzen, die sie selbst „anzünden“ dürfen.
Woher der Vers kommt
Wer den Vers erfunden hat, weiß niemand. Da er von genau vier Kerzen erzählt, ist er wohl mit dem Adventskranz gewachsen, wie wir ihn heute kennen. Dessen Vorbild hängte der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 im „Rauhen Haus“ auf, einem Heim für Kinder und Jugendliche: ein großes Holzrad mit kleinen Kerzen für die Werktage und großen für die Sonntage. Der kleine Kranz mit vier Kerzen setzte sich erst im 20. Jahrhundert durch.
In Nachschlagewerken steht oft, der Vers sei erst in den 1960er-Jahren gedruckt worden. Wir haben ältere Belege gefunden: Am 12. Dezember 1953 zitierte der Neckar-Bote, eine Lokalzeitung aus Mannheim-Seckenheim, den ganzen Vers und nannte ihn schon damals einen „alten Kinderreim“. 1952 trug eine Radiosendung zum ersten Advent seine Anfangszeile als Titel, und 1954 stellte eine Berlinerin ihn in einer amerikanischen Fachzeitschrift für Erzieherinnen als deutschen Adventsbrauch vor.
Zusatzverse und Verwechslungen
Größere Kinder hängen gern einen frechen Zusatz an – etwa über jemanden, der Weihnachten verschlafen hat, weil schon das fünfte Licht brennt. Solche Scherzverse gibt es viele, manche sind ziemlich derb. Wie alt sie sind, lässt sich kaum sagen; in alten Drucken haben wir sie nicht gefunden.
Nicht verwechseln: Loriots Gedicht „Advent“ aus dem Jahr 1969 ist etwas ganz anderes – eine schwarzhumorige Geschichte für Erwachsene. Es ist urheberrechtlich geschützt und steht deshalb nicht hier. Auch gesungen wird „Advent, Advent“ nur in neueren Vertonungen; ursprünglich ist es ein Sprechvers.
Ideen für die Adventszeit
- Kerzenbild: vier Kerzen auf Papier malen und jeden Sonntag eine Flamme aus gelbem Papier aufkleben.
- Adventskranz binden: einen Ring aus Tannenzweigen mit vier Kerzen, Zapfen und Nüssen schmücken.
- Tage zählen: Wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten? Am Adventskalender gemeinsam nachzählen.
Druckvorlage: der Vers in großer Schrift – zum Ausmalen, für die Fensterscheibe oder als Karte am Adventskranz.
PDF herunterladenMehr für den Advent
Weitere Verse findest du bei den Weihnachtsgedichten und den Fingerspielen für Winter und Advent, Lieder bei den Weihnachtsliedern.