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Zungenbrecher – die besten, lustigsten und schwersten

Fischers Fritz, das Brautkleid und der Cottbuser Postkutscher: Zungenbrecher sind kleine Sätze, bei denen die Zunge ins Stolpern kommt. Hier findest du die bekanntesten deutschen Zungenbrecher – kurze, lustige und richtig schwere. Bei jedem steht, welchen Laut er übt und seit wann wir ihn gedruckt gefunden haben: Viele sind über 200 Jahre alt.

Hier23 Zungenbrecher
Älteste Fundeab 1783
Passt ab4 Jahren
Übtdeutliches Sprechen und genaues Hören

Die berühmtesten Zungenbrecher

Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.

Übt: F, Fr und Sch · gedruckt seit 1817, genau so bei Böhme 1897

Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.

Blaukraut sagt man in Süddeutschland und Österreich zum Rotkohl.

Übt: Bl und Br, au und ei · gedruckt 1954 auf der Kinderseite einer Klagenfurter Zeitung

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.

Übt: fast gleiche Silben schnell hintereinander · gedruckt seit 1843 (Passauer Zeitung)

Zwischen zwei Zwetschgenzweigen sitzen zwei zwitschernde Schwalben.

Zwetschgen sind eine Pflaumenart; in Österreich heißen sie Zwetschken.

Übt: Zw und Tsch · 1887 noch mit Zeisigen, 1897 im Siegerland mit Schwalben

Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.

Der Postkutschkasten ist der Wagenkasten der Postkutsche, in dem die Fahrgäste sitzen.

Übt: P, K, Tsch und Tz · Kern seit 1860, mit Cottbus seit 1866, so bei Eskuche 1897

Schnecken erschrecken, wenn Schnecken an Schnecken schlecken, weil zum Schrecken vieler Schnecken Schnecken nicht schmecken.

Übt: Schn, Schr und Schl · heute sehr bekannt – in alten Sammlungen haben wir diesen Satz nicht gefunden, wer ihn erfunden hat, ist offen

Kurze Zungenbrecher

Ein Satz, wenige Wörter – und trotzdem nicht leicht, wenn man ihn dreimal schnell hintereinander sagt.

Esel essen Nesseln nicht, Nesseln essen Esel nicht.

Übt: E, N und ss · seit 1808, so bei Böhme 1897

Violett steht recht nett, recht nett steht violett.

Übt: V, N und T · seit 1843

Unser alter Ofendeckel tröpfelt.

Übt: Pf und F · seit 1843

Hans hackt Holz hinterm Hirtenhaus.

Übt: den Hauchlaut H · kurz bei Böhme 1897; 1813 noch eine lange Geschichte von Hans und Hannchen

Lustige Zungenbrecher

Wir Wiener Waschweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wär.

Waschweiber waren Frauen, die für andere die Wäsche wuschen.

Übt: W · 1856 noch Westerwälder Waschweiber mit Windeln, Wiener seit 1878

Hinter Hermann Hannes’ Haus hängen hundert Hemden raus, hundert Hemden hängen raus hinter Hermann Hannes’ Haus.

Rätsel dazu: Wie viele Wörter beginnen mit H? (Lösung: 14)

Übt: H · 1851 auf Schwäbisch, hochdeutsch seit 1924

Meister Müller, mahle mir meine Metze Mehl, morgen muss mir meine Mutter Milchmus machen.

Eine Metze war ein altes Maß für Mehl und Getreide.

Übt: M · seit 1818, so bei Böhme 1897

Der dicke Dietrich trug den dünnen Dietrich durchs dreckige Dorf.

Übt: D · seit 1856, dort noch durch das „Dorf Dünfuß“

Bierbrauer Bauer braut braunes Bier.

Bauer ist hier der Nachname des Bierbrauers.

Übt: B und Br · seit 1848, so 1910

Schwere Zungenbrecher

Für Profis: Diese Sätze bringen auch Erwachsene ins Schwitzen. Wer einen davon fünfmal fehlerfrei schafft, darf sich Zungenbrecher-Meister nennen.

Sechsundsechzig Schock sächsische Schuhzwecken.

Ein Schock sind 60 Stück, Schuhzwecken sind kurze Schuhnägel: zusammen 3.960 Nägel.

Übt: S, Sch und chs · seit 1796 – einer der ältesten deutschen Zungenbrecher

Messwechsel und Wachsmaske, Wachsmaske und Messwechsel.

Ein Messwechsel war ein Zahlungsversprechen, das zur Handelsmesse fällig wurde.

Übt: chs und ks, ss und sch · seit 1852

Achtundachtzig achteckige Hechtsköpfe.

Übt: den Ach-Laut ch · Hechtsköpfe schon 1783, so seit 1852

Es saßen zwischen zwei spitzen Steinen zwei zischende Schlangen und zischten.

Übt: Z, Zw, Sp und St · seit 1860

Es liegt ein Klötzchen Blei gleich bei Blaubeuren.

Übt: Kl, Bl und Gl · seit 1843; auf Schwäbisch: ’s leit e Klötzle Blei glei bei Blaubeuren

Drei Teertonnen, drei Trantonnen.

Tran ist Öl, das man früher aus Fischen und Walen gewann.

Übt: T und Tr · seit 1856

Wenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wäre, gäb mancher Mann manchem Mann manchmal mehr Ehre.

Übt: M · seit 1813 in einem Spielebuch für gesellige Abende

Ob er aber über Oberammergau oder über Unterammergau gegangen ist, das weiß ich nicht.

So stand es 1873 da: „Oberaberüberoberoderoberüberunterammergaugangaisdöswoasihnit!“

Übt: Vokale in schneller Folge · 1873 als Witz in einer Wiener Zeitung, dort auf Bairisch in einem einzigen Wort

Übrigens: „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ ist kein alter Zungenbrecher, sondern ein Lied aus der deutschen Fassung des Musicals „My Fair Lady“ von 1961. Der Text ist urheberrechtlich geschützt.

So übt ihr Zungenbrecher

  1. Erst langsam und deutlich sprechen, Wort für Wort.
  2. Dann etwas schneller – aber nur so schnell, wie es noch klappt.
  3. Dreimal hintereinander ohne Stolpern? Geschafft!
  4. Als Spiel: Wer schafft den Satz fünfmal schnell hintereinander? Oder ihr sprecht ihn im Chor, im Flüsterton oder mit verstellter Stimme.

Warum Zungenbrecher so schwer sind

Zungenbrecher stellen fast gleiche Laute direkt nebeneinander – etwa „bl“ und „br“ in „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“. Der Mund muss dafür blitzschnell zwischen ähnlichen Bewegungen wechseln. Beim schnellen Sprechen gerät die Planung im Kopf durcheinander, und schon kommt „Blautkraut“ heraus. Genau deshalb sind Zungenbrecher ein gutes Training für deutliches Sprechen – auch Schauspieler und Sprecher üben damit.

Zungenbrecher für Kinder

Welche Sätze schon Vierjährige schaffen und welche erst in der Grundschule klappen, zeigen dir unsere Zungenbrecher für Kinder – nach Alter sortiert, mit Spielideen und Karten zum Ausdrucken.

Woher die Zungenbrecher kommen

Die meisten Zungenbrecher sind viel älter, als man denkt. Schon 1783 empfahl eine Hamburger Musikzeitschrift Sängerinnen und Sängern solche Sätze als Übung für eine deutliche Aussprache. Um 1800 standen sie in Spielebüchern für gesellige Abende: Wer sich versprach oder lachen musste, gab ein Pfand ab. Später nahmen Sammler wie Karl Simrock (1848) und Franz Magnus Böhme (1897) sie in ihre Kinderbücher auf, und Zeitungen druckten sie als Rätsel für ihre Leser.

Bei jedem Zungenbrecher auf dieser Seite steht, wann wir ihn zum ersten Mal gedruckt gefunden haben. Wer sie erfunden hat, ist bei keinem bekannt – sie wurden weitererzählt, bis sie überall bekannt waren.

Quellen

  • Magazin der Musik, hrsg. von Carl Friedrich Cramer, Hamburg 1783
  • J. C. F. GutsMuths, Spiele zur Uebung und Erholung des Körpers und Geistes, Schnepfenthal 1796
  • Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend, Leipzig 1808
  • Taschenbuch zum geselligen Vergnügen für 1791, 7. Auflage, Leipzig 1813
  • Witzfunken und Lichtleiter, Leipzig 1817 · Carl Fröhlich, Euphrasia, Meißen um 1818
  • Passavia, Passau 1843 · Fr. R. Mühlbach, Kinder-Frühling, Augsburg 1843
  • Karl Simrock, Das deutsche Kinderbuch, Frankfurt am Main 1848 und 1856
  • Ernst Meier, Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, Tübingen 1851
  • Roderich Benedix, Die Lehre vom mündlichen Vortrage, Köln 1852, und Der mündliche Vortrag, Leipzig 1860
  • Die Stadtfraubas, Augsburg 1866 · Fremden-Blatt, Wien 1873 · Pädagogische Studien, Dresden 1887
  • Franz Magnus Böhme, Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, Leipzig 1897 · Gustav Eskuche, Siegerländische Kinderliedchen, Siegen 1897
  • Die Glocke, Oelde 1910 · Castroper Zeitung 1924 · Die neue Zeit, Klagenfurt 1954
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