Wenn die Pflaumen reif sind und der Wind um die Ecken pfeift, ist Zeit für Herbst-Fingerspiele. Hier findest du alte Verse über Pflaumen, Obst und Wind – jeweils mit Anleitung und Quelle –, dazu Ideen, wie du Kastanien, Blätter und Nüsse ins Fingerspiel holst.
Die Verse
Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen
Der schüttelt die Pflaumen,
Der liest sie,
Der isst sie,
Und der sagt: Warte, wart’, ich will’s der Mutter sagen.
So geht’s: Bei jeder Zeile den nächsten Finger antippen, mit dem Daumen beginnend. In dieser alten Fassung isst der kleine Finger die Pflaumen nicht – er petzt! Die bekannte Fassung mit Anleitung findest du bei „Das ist der Daumen“.
Der ist der Dum’ – auf Schwäbisch
Der hätt gern a Pflum,
Der sagt: wo nehma?
Der sagt: ins Pfarrers Garte!
Und das klein Krüppele sagt’s dem Pfarrer.
Und der isst gern Pflum’,
Der sagt: wo nehme?
Der sagt: stehle!
Und der sagt: wenn i noch so klein wär’, tät i doch keine Pflum stehle.
So geht’s: Wie beim Daumen-Vers einen Finger nach dem anderen zeigen. Bei der ersten Fassung klopft man zum Schluss ganz leicht auf den kleinen Finger, weil er alles dem Pfarrer verrät. „Dum’“ ist der Daumen, „Pflum“ die Pflaume, „stehle“ heißt stehlen, und „Krüppele“ ist ein alter Spitzname für den kleinen Finger. Die zweite Fassung hat eine schöne Pointe: Der Kleinste würde nie Pflaumen stehlen.
Däumchen, Pfläumchen
So geht’s: Die Finger deines Kindes nacheinander anfassen und dabei benennen – jeder Finger bekommt einen Obstnamen. Ideal für die Kleinsten und schnell gelernt. Größere Kinder erfinden neue Namen: Daumen-Kastanie, Nuss-Finger …
Wie das Hähnchen auf dem Turme
Sich kann drehn im Wind und Sturme,
Kann mein Kind sein Händchen wenden,
So sich neue Freuden spenden.
So geht’s: Den Unterarm aufrecht halten und die Hand spreizen – so wird sie zum Wetterhahn: der Daumen ist der Kopf, die Finger sind die Schwanzfedern. Dann dreht sich die Hand im Herbstwind hin und her. Friedrich Fröbel, der Gründer des Kindergartens, schrieb diesen Vers 1844. Heute kennt man ihn auch als „Wie das Fähnchen auf dem Turme …“.
Das Däumchen ein Pfläumchen
Es sieht aus wie Pfläumchen.
Dies Fingerchen gerade zeigt,
Doch aber auch gar schön sich neigt.
Dies Fingerchen das größte ist,
Obgleich es nur zu mittelst ist.
Dies Fingerchen trägt ’s Ringelein,
Drum ist es auch wie Gold so rein.
Dies Fingerchen das kleinste ist,
Die Fingerzahl gar fein beschließt.
Und wie verschieden nun auch ihre Gaben sind,
So sind sie einig doch beisammen, liebes Kind.
So geht’s: Ein Fingernamen-Lied von Friedrich Fröbel: Bei jedem Zeilenpaar den passenden Finger zeigen. Nebenbei lernen Kinder, warum der Zeigefinger „zeigt“, der Mittelfinger in der Mitte steht und der Ringfinger den Ring trägt. Fröbel übernahm dafür bewusst den Anfang der alten Daumenreime.
Da läuft ein Weglein
Da springt ein Häslein.
Der hat’s geschossen,
Der hat’s gewaschen,
Der hat’s gebraten,
Der hat den Tisch gedeckt
Und der kleine Viribinker
Hat den Teller ausgeschleckt.
So geht’s: Mit dem Finger über die Linien in der Handfläche fahren – das ist das Weglein, auf dem das Häslein hüpft. Dann einen Finger nach dem anderen abzählen. Der Vers stammt aus einer Zeit, in der im Herbst die Jagd begann; am Ende schleckt der kleinste Finger den Teller aus.
Herbst-Ideen zum Selbermachen
- Kastanien-Fingerspiel: fünf Kastanien auf den Tisch legen, bei jedem Vers eine in die Hand nehmen – bis alle fünf Finger eine halten.
- Blätter-Fingerpuppen: kleine bunte Blätter mit Tesafilm an die Fingerkuppen kleben und im Wind tanzen lassen.
- Obst-Namen erfinden: wie bei „Däumchen, Pfläumchen“ – aber mit Apfel, Birne, Nuss, Traube und Kastanie.
- Windspiel: nach dem „Hähnchen auf dem Turme“ pusten alle Kinder, und die Hände drehen sich im Wind.
Warum hier nicht mehr Herbst-Fingerspiele stehen
Viele beliebte Herbst-Fingerspiele über Blätter, Igel und Eichhörnchen sind erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Manche haben bekannte Verfasser, bei anderen ist die Herkunft ungeklärt. Solche Texte drucken wir nicht ab. Das gilt zum Beispiel für „Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da“ (Hans-Reinhard Franzke, Fidula-Verlag) und für das „Apfelbäumchen“, das aus einem Fingerspielbuch von Irene Flemming stammt.
Mehr zum Herbst
Passende Lieder findest du bei den Herbstliedern und den Laternenliedern, Verse zum Aufsagen bei den Herbstgedichten.