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Heile, heile Segen – Trostverse

Hingefallen, Knie gestoßen, Tränen – und dann: „Heile, heile Segen …“. Kaum ein Vers wird so oft gesprochen wie dieser. Hier findest du den Text, alte Fassungen aus verschiedenen Gegenden, wie du damit gut tröstest, woher der Spruch kommt – und was es mit dem Mainzer „Heile, heile Gänsje“ auf sich hat.

Passt abetwa 1 Jahr
ArtTrostvers
Textüberliefert, gedruckt seit 1817
Dauerein paar Sekunden
Hilfttrösten, ablenken, beruhigen

Der Text

1
Heile, heile Segen,
drei Tage Regen,
drei Tage Schnee,
tut dem Kind nicht mehr weh.
Heute übliche Form: die ersten drei Zeilen so bei Ernst Meier, Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, Tübingen 1851, S. 3; die Schlusszeile fast wortgleich 1891 („thut dem Kinde nicht mehr weh“).

So tröstest du mit dem Vers

  1. Geh auf Augenhöhe: hinknien oder dein Kind auf den Schoß nehmen.
  2. Die Stelle gemeinsam anschauen – ernst nehmen, auch wenn nichts zu sehen ist.
  3. Auf die Stelle pusten. Das Blasen gehört schon in alten Beschreibungen dazu.
  4. Den Vers sprechen oder leise singen und dabei die Stelle streicheln oder die Hand auflegen.
  5. Zum Schluss ablenken: Wo ist der Regen? Wo ist der Schnee? – und weiter geht’s.

Alte Fassungen

Je nach Gegend regnet, schneit oder scheint es im Vers unterschiedlich lange. Einige Beispiele aus alten Sammlungen:

  • „Heile, heile Segen! / Drei Tage Regen, / Drei Tage geht der Wind, / Heile, heil’, mein liebes Kind!“ – Gießen 1817, der älteste Druck, den wir gefunden haben.
  • „Heile heile Segen, / Sieben Tage Regen, / Sieben Tage Schnee, / Es tut mir nicht mehr weh.“ – Karl Simrock 1848.
  • „Heile, heile, Segen! / Drei Tage Regen, / Drei Tage Sonnenschein, / Bis morne Morgen ist älls vorbei!“ – Schwaben 1851 („morne Morgen“ heißt: morgen früh).
  • „Heile, heile Segen, / Morgen gibt es Regen, / Übermorgen Schnee, / Jetzt tut es nimmer weh.“ – Schwaben 1851.

Warum der Vers hilft

Natürlich heilt der Spruch keine Wunde. Aber er nimmt den Schreck: Dein Kind merkt, dass du ganz für es da bist, der Rhythmus beruhigt, und die Bilder von Regen und Schnee lenken ab. Oft ist der Schreck größer als der Schmerz – und genau dafür ist der Vers da. Bei starken Schmerzen, einer stark blutenden Wunde oder einem Sturz auf den Kopf reicht er aber nicht; dann lieber ärztlich nachsehen lassen.

Woher der Vers kommt

Der Spruch ist ein spielerischer Rest alter Heil- und Segensformeln. Den ältesten Druck haben wir an einer überraschenden Stelle gefunden: 1817 zitiert ihn ein Gießener Buch über Hunde in einer Fußnote – als „Segen“, den die alten Kinderfrauen sprechen, wenn sich ein Kind geschnitten hat. Der Verfasser verglich ihn mit einem Heilspruch aus der Antike. Im 19. Jahrhundert schrieben Sammler den Vers in vielen Gegenden auf; in Franken und am Untermain kamen Katze, Gans und Huhn hinein.

Und das Mainzer „Heile, heile Gänsje“?

Das berühmte Fastnachtslied entstand 1929; geschrieben hat es nach heutigem Wissen Martin Mundo. Bekannt wurde es 1952 durch den Mainzer Sänger Ernst Neger, mit einer neuen Strophe über die zerstörte Stadt. Die späteren Strophen sind urheberrechtlich geschützt, deshalb steht der Liedtext hier nicht. Sein Kehrreim greift aber einen alten Kindervers auf, der schon 1894 bei Aschaffenburg aufgeschrieben wurde:

Heile, heile Gensje,
’S Kätzje håt e Schwenzje.
Anton Englert, Zeitschrift für den deutschen Unterricht 1894, S. 120 (Aschaffenburg). „Gensje“ ist das Gänschen, „Schwenzje“ das Schwänzchen.

Druckvorlage: der Vers zum Ausdrucken – für die Pinnwand in Kita oder Kinderzimmer.

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