Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Fingerspiele – mit Text und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Fingerspiele sind kleine Verse, bei denen die Finger mitspielen: Sie werden zu Zwergen, Mäusen oder Pflaumenschüttlern. Hier findest du die bekannten Fingerspiele mit Text, einer Anleitung Schritt für Schritt, der Herkunft und einer Druckvorlage – für Krippe, Kita und zu Hause.

Passt abden ersten Lebensmonaten
HierKlassiker, Baby- und Herbstverse
Dauermeist unter einer Minute
FördertFeinmotorik, Sprache, Nähe

Die bekannten Fingerspiele

Nach Anlass

Warum Kinder Fingerspiele lieben

Bei einem Fingerspiel passiert alles gleichzeitig: Dein Kind hört einen Reim, sieht die Bewegung und macht sie nach. Das trainiert die Feinmotorik der Finger, die es später zum Malen und Schreiben braucht, und verbindet Sprache mit Bewegung – so bleiben Verse viel leichter im Gedächtnis. Und weil Fingerspiele meist auf dem Schoß oder ganz nah beieinander gespielt werden, sind sie auch kleine Kuschelmomente.

Fingerspiele nach Alter

So spielst du ein Fingerspiel vor

  1. Setz dich deinem Kind gegenüber oder nimm es auf den Schoß, sodass es deine Hände gut sieht.
  2. Sprich langsam und ruhig etwas übertrieben betont – kleine Pausen machen es spannend.
  3. Mach die Bewegungen groß und deutlich, beim ersten Mal ganz ohne Tempo.
  4. Wiederhole das Spiel: Kinder wollen dasselbe Fingerspiel oft viele Male hintereinander – genau so lernen sie es.
  5. Lass dein Kind mitmachen, sobald es möchte, auch wenn die Bewegung noch nicht ganz klappt.

Noch mehr alte Fingerspiele

Der ist ins Wasser gefallen

Der ist ins Wasser gefallen,
Der hat ihn wieder herausgeholt,
Der hat ihn ins Bett gelegt,
Der hat ihn zugedeckt,
Und der kleine Schelm da hat ihn wieder aufgeweckt.
Simrock, Das deutsche Kinderbuch, 1848, S. 5.

So geht’s: Wie beim Daumen-Vers bei jeder Zeile auf den nächsten Finger zeigen, mit dem Daumen beginnend. Beim „kleinen Schelm“ den kleinen Finger kräftig wackeln – er weckt alle wieder auf.

Männle, geh fort!

Männle, geh fort!
Weible, du auch!
Männle, komm wieder!
Weible, du auch!
Ernst Meier, Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, Tübingen 1851, S. 11.

So geht’s – ein kleiner Zaubertrick: Leg beide Zeigefinger auf die Tischkante: rechts das Männle, links das Weible. Bei „Männle, geh fort!“ hebst du die rechte Hand schwungvoll bis über die Schulter und legst sie mit dem Mittelfinger statt dem Zeigefinger zurück – der Zeigefinger ist „weg“. Beim Weible genauso. Bei „komm wieder“ schwingst du die Hand erneut und legst wieder den Zeigefinger auf. Schnell gemacht, staunen die Kinder, wohin die Finger verschwinden.

Die Familie

Das ist die Großmama,
Das ist der Großpapa,
Das ist der Vater,
Das ist die Mutter,
Das ist ’s kleine Kindchen ja;
Seht die ganze Familie da.
Das ist die Mutter, lieb und gut;
Das ist der Vater mit frohem Mut;
Das ist der Bruder, lang und groß;
Das ist die Schwester, mit Püppchen im Schoß;
Und dies ist das Kindchen, noch klein und zart,
Und dies die Familie von guter Art,
Die mit sinn’ger, einträchtiger Kraft
Das Rechte und Gute in Freuden schafft.
Friedrich Fröbel, Mutter- und Kose-Lieder, Ausgabe 1883, S. 46.

So geht’s: Bei jeder Zeile einen Finger antippen: Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger, kleiner Finger – zum Schluss die ganze Hand als Familie zeigen. Die zweite Strophe von Friedrich Fröbel ist die Urform des Familien-Fingerspiels, das bis heute in vielen Kitas gespielt wird.

Fünf Finger hab ich an der Hand

Fünf Finger hab ich an der Hand,
Ich weiß, wie alle sind benannt:
Daumen steht voran,
Zeigefinger dann,
Mittelfinger folgt darauf,
Schnell ein goldnes Ringlein kauf,
Denn es kommt Goldfingerlein,
Endlich noch Kleinfingerchen,
Alle sind die Dingerchen.
Wilhelm Bruns, Illustriertes Kinderspielbuch, 3. Auflage, Düsseldorf um 1890.

So geht’s: Die Finger deines Kindes nacheinander anfassen – so lernt es ihre Namen.

Bekannte Fingerspiele, deren Text hier fehlt

Viele Fingerspiele, die heute in Kitas beliebt sind, sind erst nach 1950 entstanden. Ihre Texte sind urheberrechtlich geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod der Autorinnen und Autoren vergangen sind. Wir nennen sie hier mit Titel und Urheber, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Büchern der Verlage:

  • „Erst kommt der Sonnenkäferpapa“ – die heute bekannte Liedfassung ist von Detlev Jöcker.
  • „Zwei kleine Wölfe“ – einen Druck vor 1956 haben wir nicht gefunden, die Herkunft ist ungeklärt.
  • „Apfelbäumchen“ – aus einem Fingerspielbuch von Irene Flemming.

Bei „Himpelchen und Pimpelchen“ und „Meine Hände sind verschwunden“ ist ebenfalls nicht geklärt, ob der Text frei ist. Dort findest du deshalb eine selbst geschriebene Anleitung ohne Verstext.

Mehr zum Mitmachen

Zum Wippen auf dem Schoß gibt es die Kniereiter, zum Trösten die Trostverse und zum Auszählen die Abzählreime.

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