Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Bunt sind schon die Wälder

Kaum wird es draußen kühler, klingt es in Kitas und Grundschulen wieder: „Bunt sind schon die Wälder“. Das Herbstlied ist über 240 Jahre alt und erzählt von Obsternte und Weinlese – mit so vielen Bildern, dass Kinder es fast von selbst mitspielen. Hier findest du den Text der bekannten Singfassung, Bewegungen zu jeder Zeile, eine Erklärung der alten Wörter und eine Druckvorlage fürs Liedblatt.

Passt ab3 Jahren, alle Strophen ab 5
AnlassHerbst, Erntedank, Herbstfest
TextJohann Gaudenz von Salis-Seewis, 1782
MelodieJohann Friedrich Reichardt, 1799
Strophen4 in der Singfassung
FördertWortschatz, Rhythmus, Merkfähigkeit

Der Liedtext

1
Bunt sind schon die Wälder;
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
2
Wie die volle Traube,
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche mit Streifen
Rot und weiß bemalt.
3
Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben,
Zwischen hohen Reben,
Auf dem Hut von Stroh!
4
Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz,
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz.
Text nach Johann Friedrich Reichardt, Lieder für die Jugend, Leipzig 1799, S. 11 (Strophen 1, 2, 4 und 5; Rechtschreibung behutsam modernisiert). Erstdruck des Gedichts: Musen-Almanach für 1786, S. 34–36.

Was in dem Lied passiert

Das Lied beschreibt einen Herbsttag auf dem Land. Die Wälder färben sich, auf den Feldern stehen nach der Ernte nur noch Stoppeln, und im Garten sind Trauben und Pfirsiche reif. Dann beginnt die Weinlese: Träger schleppen die Körbe, die Mädchen singen, und am Abend wird mit Geige und Flöte getanzt. Für Kinder ist das eine kleine Bildergeschichte in vier Szenen – vom bunten Wald bis zum Tanz im Mondschein.

Alte Wörter, kurz erklärt

  • Stoppelfelder: Getreidefelder nach der Ernte – übrig bleiben nur die kurzen, harten Halmreste.
  • Nebel wallen: Nebelschwaden ziehen langsam über das Land.
  • Rebenlaube: das Blätterdach der Weinstöcke.
  • Geländer: ein Holzgitter an der Hauswand, an dem Obst wie Pfirsiche wächst.
  • Träger: Helfer, die bei der Weinlese die vollen Körbe tragen.
  • Winzerinnen: Frauen, die Wein anbauen und ernten.
  • Ringeltanz: ein Tanz im Kreis.

Bewegungen zum Mitmachen

Zu jeder Zeile der ersten Strophe gibt es eine Bewegung. Singt die Zeile langsam und macht die Bewegung gleichzeitig – so merken sich die Kinder den Text fast von allein.

  1. „Bunt sind schon die Wälder“ – die Arme als Bäume nach oben strecken und mit den Fingern wackeln.
  2. „Gelb die Stoppelfelder“ – mit der flachen Hand über den Boden streichen, als würdet ihr übers Feld fahren.
  3. „Rote Blätter fallen“ – die Hände wie Blätter von oben nach unten schaukeln lassen.
  4. „Graue Nebel wallen“ – die Arme langsam wie Wellen vor dem Körper bewegen.
  5. „Kühler weht der Wind“ – kräftig pusten und sich fröstelnd die Arme reiben.
  6. Strophe 2: mit beiden Händen eine Traube formen und für die Pfirsiche Streifen in die Luft malen.
  7. Strophe 3: auf der Stelle hüpfen wie die flinken Träger; für die Bänder Tücher oder die Arme schwingen.
  8. Strophe 4: Geige und Flöte pantomimisch spielen, dann an den Händen fassen und im Kreis tanzen.

Mit den Kleinsten reicht die erste Strophe – sie ist die schönste zum Mitmachen. Ab etwa fünf Jahren schaffen die meisten Kinder alle vier.

Ab welchem Alter – und was es fördert

Schon Dreijährige machen die Bewegungen der ersten Strophe begeistert mit, auch wenn sie noch nicht jedes Wort verstehen. Das Lied erweitert den Wortschatz rund um den Herbst, und weil jede Zeile ein Bild hat, bleibt der Text über die Bewegung im Gedächtnis. Die paarweisen Reime – Wälder und Stoppelfelder, fallen und wallen – schulen das Gehör für Reime, eine wichtige Vorstufe fürs Lesenlernen.

Woher das Lied kommt

Geschrieben hat es Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762–1834), ein Offizier und Dichter aus Graubünden, im Jahr 1782 – mit gerade einmal zwanzig Jahren. Gedruckt wurde es zuerst im Musen-Almanach für 1786 unter dem Titel „Herbstlied“, damals noch mit sieben Strophen. Später überarbeitete Salis-Seewis sein Gedicht selbst und strich dabei unter anderem die Zeilen über Mühe und Plage in der Lesezeit.

Die Melodie, die heute fast jedes Kind kennt, stammt von Johann Friedrich Reichardt (1752–1814). Er veröffentlichte sie 1799 in seinen Liedern für die Jugend, zusammen mit fünf Strophen. Auch andere Komponisten vertonten den Text, darunter Franz Schubert – durchgesetzt hat sich Reichardts schlichte Weise.

Bei Reichardt steht zwischen der zweiten und der dritten Strophe der Singfassung noch eine weitere: Darin legt ein Mädchen Pflaumen und Birnen in ihr Körbchen, und ein anderes trägt goldene Quitten in den Hof. Das Wort „Dirne“, das dort steht, bedeutete damals einfach „junges Mädchen“. Weil es heute anders verstanden wird, lässt man diese Strophe meist weg.

Varianten

In manchen Liederbüchern endet das Lied mit „frohen Erntetanz“ statt „deutschen Ringeltanz“. Beide Fassungen werden gesungen; wir drucken die Zeile so, wie sie bei Reichardt steht.

Ideen für Kita und Grundschule

  • Erntedank (in diesem Jahr am 4. Oktober): einen Korb mit Trauben, Pfirsichen, Pflaumen, Birnen und Äpfeln mitbringen und das passende Obst beim Singen hochhalten.
  • Tastspiel: Obst unter ein Tuch legen – die Kinder fühlen, raten und singen die passende Zeile.
  • Herbstspaziergang: bunte Blätter sammeln, pressen und daraus ein Bild zur ersten Strophe legen.
  • Grundschule: Herbstwörter aus dem Lied sammeln und ein Herbst-ABC daraus machen; jede Gruppe malt eine Strophe.

Druckvorlage: das Liedblatt mit allen vier Strophen – zum Ausdrucken für Morgenkreis, Herbstfest oder Liederordner.

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