Fischers Fritz, das Brautkleid und der Cottbuser Postkutscher: Zungenbrecher sind kleine Sätze, bei denen die Zunge ins Stolpern kommt. Hier findest du die bekanntesten deutschen Zungenbrecher – kurze, lustige und richtig schwere. Bei jedem steht, welchen Laut er übt und seit wann wir ihn gedruckt gefunden haben: Viele sind über 200 Jahre alt.
Die berühmtesten Zungenbrecher
Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.
Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.
Blaukraut sagt man in Süddeutschland und Österreich zum Rotkohl.
In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.
Zwischen zwei Zwetschgenzweigen sitzen zwei zwitschernde Schwalben.
Zwetschgen sind eine Pflaumenart; in Österreich heißen sie Zwetschken.
Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.
Der Postkutschkasten ist der Wagenkasten der Postkutsche, in dem die Fahrgäste sitzen.
Schnecken erschrecken, wenn Schnecken an Schnecken schlecken, weil zum Schrecken vieler Schnecken Schnecken nicht schmecken.
Kurze Zungenbrecher
Ein Satz, wenige Wörter – und trotzdem nicht leicht, wenn man ihn dreimal schnell hintereinander sagt.
Esel essen Nesseln nicht, Nesseln essen Esel nicht.
Violett steht recht nett, recht nett steht violett.
Unser alter Ofendeckel tröpfelt.
Hans hackt Holz hinterm Hirtenhaus.
Lustige Zungenbrecher
Wir Wiener Waschweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wär.
Waschweiber waren Frauen, die für andere die Wäsche wuschen.
Hinter Hermann Hannes’ Haus hängen hundert Hemden raus, hundert Hemden hängen raus hinter Hermann Hannes’ Haus.
Rätsel dazu: Wie viele Wörter beginnen mit H? (Lösung: 14)
Meister Müller, mahle mir meine Metze Mehl, morgen muss mir meine Mutter Milchmus machen.
Eine Metze war ein altes Maß für Mehl und Getreide.
Der dicke Dietrich trug den dünnen Dietrich durchs dreckige Dorf.
Bierbrauer Bauer braut braunes Bier.
Bauer ist hier der Nachname des Bierbrauers.
Schwere Zungenbrecher
Für Profis: Diese Sätze bringen auch Erwachsene ins Schwitzen. Wer einen davon fünfmal fehlerfrei schafft, darf sich Zungenbrecher-Meister nennen.
Sechsundsechzig Schock sächsische Schuhzwecken.
Ein Schock sind 60 Stück, Schuhzwecken sind kurze Schuhnägel: zusammen 3.960 Nägel.
Messwechsel und Wachsmaske, Wachsmaske und Messwechsel.
Ein Messwechsel war ein Zahlungsversprechen, das zur Handelsmesse fällig wurde.
Achtundachtzig achteckige Hechtsköpfe.
Es saßen zwischen zwei spitzen Steinen zwei zischende Schlangen und zischten.
Es liegt ein Klötzchen Blei gleich bei Blaubeuren.
Drei Teertonnen, drei Trantonnen.
Tran ist Öl, das man früher aus Fischen und Walen gewann.
Wenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wäre, gäb mancher Mann manchem Mann manchmal mehr Ehre.
Ob er aber über Oberammergau oder über Unterammergau gegangen ist, das weiß ich nicht.
So stand es 1873 da: „Oberaberüberoberoderoberüberunterammergaugangaisdöswoasihnit!“
Übrigens: „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ ist kein alter Zungenbrecher, sondern ein Lied aus der deutschen Fassung des Musicals „My Fair Lady“ von 1961. Der Text ist urheberrechtlich geschützt.
So übt ihr Zungenbrecher
- Erst langsam und deutlich sprechen, Wort für Wort.
- Dann etwas schneller – aber nur so schnell, wie es noch klappt.
- Dreimal hintereinander ohne Stolpern? Geschafft!
- Als Spiel: Wer schafft den Satz fünfmal schnell hintereinander? Oder ihr sprecht ihn im Chor, im Flüsterton oder mit verstellter Stimme.
Warum Zungenbrecher so schwer sind
Zungenbrecher stellen fast gleiche Laute direkt nebeneinander – etwa „bl“ und „br“ in „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“. Der Mund muss dafür blitzschnell zwischen ähnlichen Bewegungen wechseln. Beim schnellen Sprechen gerät die Planung im Kopf durcheinander, und schon kommt „Blautkraut“ heraus. Genau deshalb sind Zungenbrecher ein gutes Training für deutliches Sprechen – auch Schauspieler und Sprecher üben damit.
Zungenbrecher für Kinder
Welche Sätze schon Vierjährige schaffen und welche erst in der Grundschule klappen, zeigen dir unsere Zungenbrecher für Kinder – nach Alter sortiert, mit Spielideen und Karten zum Ausdrucken.
Woher die Zungenbrecher kommen
Die meisten Zungenbrecher sind viel älter, als man denkt. Schon 1783 empfahl eine Hamburger Musikzeitschrift Sängerinnen und Sängern solche Sätze als Übung für eine deutliche Aussprache. Um 1800 standen sie in Spielebüchern für gesellige Abende: Wer sich versprach oder lachen musste, gab ein Pfand ab. Später nahmen Sammler wie Karl Simrock (1848) und Franz Magnus Böhme (1897) sie in ihre Kinderbücher auf, und Zeitungen druckten sie als Rätsel für ihre Leser.
Bei jedem Zungenbrecher auf dieser Seite steht, wann wir ihn zum ersten Mal gedruckt gefunden haben. Wer sie erfunden hat, ist bei keinem bekannt – sie wurden weitererzählt, bis sie überall bekannt waren.
Quellen
- Magazin der Musik, hrsg. von Carl Friedrich Cramer, Hamburg 1783
- J. C. F. GutsMuths, Spiele zur Uebung und Erholung des Körpers und Geistes, Schnepfenthal 1796
- Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend, Leipzig 1808
- Taschenbuch zum geselligen Vergnügen für 1791, 7. Auflage, Leipzig 1813
- Witzfunken und Lichtleiter, Leipzig 1817 · Carl Fröhlich, Euphrasia, Meißen um 1818
- Passavia, Passau 1843 · Fr. R. Mühlbach, Kinder-Frühling, Augsburg 1843
- Karl Simrock, Das deutsche Kinderbuch, Frankfurt am Main 1848 und 1856
- Ernst Meier, Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, Tübingen 1851
- Roderich Benedix, Die Lehre vom mündlichen Vortrage, Köln 1852, und Der mündliche Vortrag, Leipzig 1860
- Die Stadtfraubas, Augsburg 1866 · Fremden-Blatt, Wien 1873 · Pädagogische Studien, Dresden 1887
- Franz Magnus Böhme, Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, Leipzig 1897 · Gustav Eskuche, Siegerländische Kinderliedchen, Siegen 1897
- Die Glocke, Oelde 1910 · Castroper Zeitung 1924 · Die neue Zeit, Klagenfurt 1954