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Schlaf, Kindlein, schlaf

„Schlaf, Kindlein, schlaf“ ist eines der ältesten deutschen Wiegenlieder: Die erste Strophe wurde über Generationen weitergesungen, lange bevor jemand sie aufschrieb. Hier findest du alle sechs Strophen aus dem Jahr 1808, erfährst, welche man heute meist singt, und wie das Lied zu seiner Melodie kam.

Passt abGeburt
Textüberliefert, Strophen 2–6 wohl von Clemens Brentano (1808)
MelodieJohann Friedrich Reichardt, 1781
Strophen6
Stimmungsanft wiegend

Der Liedtext

1
Schlaf, Kindlein, schlaf,
Der Vater hüt die Schaf,
Die Mutter schüttelt’s Bäumelein,
Da fällt herab ein Träumelein,
Schlaf, Kindlein, schlaf.
2
Schlaf, Kindlein, schlaf,
Am Himmel ziehn die Schaf,
Die Sternlein sind die Lämmerlein,
Der Mond der ist das Schäferlein,
Schlaf, Kindlein, schlaf.
3
Schlaf, Kindlein, schlaf,
Christkindlein hat ein Schaf,
Ist selbst das liebe Gotteslamm,
Das um uns all zu Tode kam,
Schlaf, Kindlein, schlaf!
4
Schlaf, Kindlein, schlaf,
So schenk ich dir ein Schaf,
Mit einer goldnen Schelle fein,
Das soll dein Spielgeselle sein,
Schlaf, Kindlein, schlaf!
5
Schlaf, Kindlein, schlaf,
Und blöck nicht wie ein Schaf,
Sonst kommt des Schäfers Hündelein,
Und beißt mein böses Kindelein,
Schlaf, Kindlein, schlaf.
6
Schlaf, Kindlein, schlaf,
Geh fort und hüt die Schaf,
Geh fort du schwarzes Hündelein,
Und weck mir nicht mein Kindelein,
Schlaf, Kindlein, schlaf.
Text nach Des Knaben Wunderhorn, Band 3, Heidelberg 1808, Anhang S. 59–60 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

Welche Strophen singt man heute?

Fast alle singen die erste Strophe, viele dazu die zweite mit den Schäfchen am Himmel und die vierte mit dem Schaf und der goldenen Schelle. Die dritte Strophe ist ein christliches Bild: Das „Gotteslamm“ steht für Jesus. Die fünfte droht dem Kind mit dem Hund des Schäfers – das passt nicht mehr dazu, wie wir heute mit Kindern sprechen, und wird deshalb oft weggelassen. Die sechste schickt den Hund wieder fort und beendet das Lied freundlich.

Alte Wörter, kurz erklärt

  • Träumelein: ein kleiner Traum – die Mutter schüttelt ihn vom Baum wie eine reife Frucht.
  • Schelle: ein kleines Glöckchen.
  • Spielgeselle: Spielkamerad.
  • blöck nicht: blöke nicht – also: schrei nicht wie ein Schaf.

So singst du es zum Einschlafen

  1. Dein Kind im Arm halten oder die Wiege sanft schaukeln – das Lied hat genau den Takt dafür.
  2. Bei „Die Mutter schüttelt’s Bäumelein“ ganz leicht hin und her wiegen.
  3. Das „Schlaf, Kindlein, schlaf“ am Ende jeder Strophe immer ein bisschen leiser singen.
  4. Mit größeren Kindern die zweite Strophe erzählen: Die Sterne sind Schäfchen, der Mond ist der Schäfer. Wer schaut mit aus dem Fenster?

Woher das Lied kommt

Die erste Strophe ist uralt; ein Bruchstück soll schon 1611 in einer Liedersammlung stehen. In Norddeutschland sang man sie auf Plattdeutsch, und 1806 hielt ein holsteinisches Wörterbuch diese Fassung fest: „Slaap, min Kindjen, slaap, / din Vader hödd de Schaap …“ – dort pflanzt die Mutter Böhnchen, statt das Bäumchen zu schütteln.

1808 druckten Achim von Arnim und Clemens Brentano das Lied mit sechs Strophen in ihrer berühmten Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Die Forschung geht davon aus, dass Brentano die Strophen zwei bis sechs selbst dazugedichtet hat. Die Melodie ist sogar noch älter: Johann Friedrich Reichardt veröffentlichte sie 1781 in einem Liederheft für Kinder – dort aber zu einem anderen Text, einem Puppen-Wiegenlied über ein sanftes Schaf, das mit „Schlaf, Kindchen, schlaf! Da draußen ist ein Schaf“ beginnt.

Ideen für Kita und zu Hause

  • Schäfchenhimmel: Wattebäusche als Schäfchen auf dunkelblauen Karton kleben, dazu einen gelben Mond als Schäfer – passend zur zweiten Strophe.
  • Puppen-Wiegenlied: wie 1781 – die Kinder singen das Lied ihrer Puppe oder ihrem Kuscheltier vor.
  • Plattdeutsch raten: die Fassung von 1806 vorlesen und gemeinsam herausfinden, was „Vader“, „Moder“ und „Schaap“ bedeuten.

Druckvorlage: das Liedblatt mit allen sechs Strophen.

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