Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Winterlieder für Kinder

Wenn der erste Schnee fällt, wollen Kinder hinaus – und hinterher wird gesungen. Hier findest du alte Winterlieder mit vollständigem Text: vom Winter, der ein rechter Mann ist, über Schlitten und Schneemann bis zum Abschied im Frühjahr. Dazu Ideen für drinnen und draußen und Hinweise, von wem die neueren Winterlieder sind.

Hier mit Text6 Winterlieder und ein Schlittenreim
Ältestes1782 (Claudius)
Passt ab2 Jahren
SaisonMitte November bis Ende Februar

Winterlieder und -reime mit eigener Seite

Winterlieder drinnen und draußen

Wenn es draußen schneit, wollen Kinder hinaus – und wenn sie mit roten Wangen wieder hereinkommen, wird gesungen. Winterlieder lassen sich wunderbar mit Bewegung verbinden: Schneeflocken tanzen, Schlitten fahren, frieren und sich wieder warm reiben.

  • Schneeflockentanz: Seidentücher oder Papierschnipsel zum Lied durch die Luft wirbeln lassen.
  • Winterspaziergang: ein Lied vorher üben und unterwegs singen – das wärmt.
  • Frieren und aufwärmen: Bei kalten Zeilen zittern, bei warmen die Hände reiben.
  • Liedblatt ans Fenster: ausdrucken und neben die Eisblumen hängen.

Winterlieder mit Text

A, a, a, der Winter der ist da

Ein Buchstabenspiel: Die fünf Strophen beginnen der Reihe nach mit A, E, I, O und U. Darin geht es um Eisblumen an der Scheibe, um arme Leute, die frieren müssen, und um die Vorfreude aufs Christkind. Heute singt man in manchen Strophen andere Mittelzeilen; deren Herkunft ist ungeklärt, deshalb steht hier die alte Fassung.

1
A, a, a, der Winter der ist da!
Herbst und Sommer sind vergangen,
Winter der hat angefangen.
A, a, a, der Winter ist nun da!
2
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
Blumen blüh’n an Fensterscheiben,
Sind sonst nirgends aufzutreiben.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
3
I, i, i, vergiss des Armen nie!
Hat ja nichts, sich zuzudecken,
Wenn ihn Frost und Kälte schrecken.
I, i, i, vergiss des Armen nie!
4
O, o, o, wie sind die Kindlein froh,
Wenn das Christkind tut was bringen,
Und „Vom Himmel hoch“ sie singen.
O, o, o, wie sind die Kindlein froh!
5
U, u, u, ich weiß wohl, was ich tu:
Christkind lieben, Christkind loben
Mit den vielen Engeln droben.
U, u, u, ich weiß wohl, was ich tu.
Franz Magnus Böhme, Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert, Leipzig 1895 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Melodie laut Böhme eine Volksweise aus der Zeit vor 1800.

Woher die Flocken überall

Um 1824 dichtete ein Leipziger Lehrer, W. Vater, dieses Lied vom ersten Schnee: Die Kinder spannen sich selbst vor den Schlitten, bauen einen Schneemann, größer als sie selbst, und warten sehnsüchtig auf Weihnachten. Heute ist das Lied fast vergessen – dabei steckt der ganze Winter darin.

1
Woher die Flocken überall
so locker, weiß und fein?
Woher die Flocken ohne Zahl?
Es mag wohl Winter sein.
2
Nun rasch den Schlitten in die Hand!
Wir spannen selbst uns dran.
Im Winter ist ja, wie bekannt,
Für uns die Schlittenbahn.
3
Auch eh’ der Schnee noch aufgetaut,
Da wird von manchem Kind
Ein großer Schneemann aufgebaut,
Viel größer, als wir sind.
4
Wir wissen schon, wenn’s Winter ist,
Wenn’s kalt wird, friert und schneit:
Da kommt ja auch der heil’ge Christ,
Der Kinder stets erfreut.
Böhme 1895 (Rechtschreibung behutsam modernisiert); Melodie: C. G. Gläser, Barmen.

Der Winter ist ein rechter Mann

Matthias Claudius hat das Gedicht 1782 unter der Überschrift „Ein Lied, hinterm Ofen zu singen“ herausgebracht. Der Winter ist darin ein kerngesunder, abgehärteter Kerl, der Blumen und Wärme verachtet und über klirrenden Frost lacht. Der Witz: Man singt es selbst im Warmen am Ofen. Die heute bekannte Melodie ist anonym, auch wenn sie lange Johann Friedrich Reichardt zugeschrieben wurde.

1
Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht Süß noch Sauer.
2
War je ein Mann gesund, ist er’s!
Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
Und schläft im kalten Zimmer.
3
Er zieht sein Hemd im Freien an,
Und lässt’s vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluss im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.
4
Aus Blumen und aus Vogelsang
Weiß er sich nichts zu machen,
Hasst warmen Drang und warmen Klang
Und alle warme Sachen.
5
Doch wenn die Füchse bellen sehr,
Wenn’s Holz im Ofen knittert,
Und an dem Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;
6
Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
Und Teich’ und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das hasst er nicht,
Denn er will sich tot lachen. —
7
Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.
8
Da ist er denn bald dort bald hier,
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.
[Matthias Claudius,] Asmus omnia sua secum portans, 4. Teil, Wandsbeck 1782, S. 87–88 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).
  • kernfest: kräftig, nicht kleinzukriegen.
  • Vapeurs: ein altes Wort für Launen und Unwohlsein.
  • Fluss im Zahn: Zahnschmerzen; Kolik: Bauchschmerzen.
  • knittert: knistert – das Holz im Ofen.

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder

Ein Kreisspiel über die vier Jahreszeiten: Jedes „Kind“ der Mutter hat ein Geschenk dabei – der Winter bringt den Schnee. Alle gehen im Kreis, und am Ende dreht sich jeder dreimal um die eigene Achse.

1
Es war eine Mutter,
die hatte vier Kinder:
den Frühling, den Sommer,
den Herbst und den Winter.
2
Der Frühling bringt Blumen,
der Sommer bringt Klee,
der Herbst, der bringt Trauben,
der Winter bringt Schnee.
3
Das Klatschen, das Klatschen,
das muss man verstehn,
da muss man sich dreimal
im Kreise umdrehn.
Elizabeth Marriage, Volkslieder aus der badischen Pfalz, Halle 1902, S. 371 (aufgezeichnet in Rüstenbach; Zeilen geteilt).

O wie ist es kalt geworden

Ein Lied für den Spätwinter von Hoffmann von Fallersleben: Nur die erste Strophe zeigt den grauen Winter, dann sehnt sich das Lied nach grünen Tälern, Herdenglocken und singenden Vögeln. „Schalmeien“ sind Hirtenflöten.

1
O wie ist es kalt geworden
Und so traurig, öd’ und leer!
Raue Winde wehn von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.
2
Auf die Berge möcht’ ich fliegen,
Möchte sehn ein grünes Tal,
Möcht’ in Gras und Blumen liegen
Und mich freun am Sonnenstrahl;
3
Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.
4
Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!
5
Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.
Gedichte von Hoffmann von Fallersleben. Neue Sammlung, Breslau 1837, S. 91–92 (Rechtschreibung behutsam modernisiert); Melodie von Hoffmann selbst.

Winter, ade!

Wenn der Winter endlich geht, singt man dieses Lied – ebenfalls von Hoffmann von Fallersleben. Die alte Redensart „Scheiden tut weh“ dreht er um: Vom Winter trennt man sich gern, und wenn er nicht bald geht, lacht ihn der Kuckuck aus.

1
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Aber dein Scheiden macht,
dass jetzt mein Herze lacht.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
2
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Gerne vergess’ ich dein,
kannst immer ferne sein.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
3
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Gehst du nicht bald nach Haus,
lacht dich der Kuckuck aus.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Funfzig Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben, Leipzig 1843, S. 36 (Rechtschreibung behutsam modernisiert); Melodie: thüringische Volksweise.

Am Winter, wenns regnet und schneit – ein Schlittenreim

Am Winter, wenns regnet und schneit,
so nimm i mis Schlittli und reit,
und rite bis unten am Rai,
bis mer mis Schlittli verheit.
Ernst Ludwig Rochholz, Alemannisches Kinderlied und Kinderspiel aus der Schweiz, Leipzig 1857, S. 192.

Ein Spruch aus der Schweiz fürs Schlittenfahren: „Schlittli“ ist der Schlitten, „reiten“ heißt hier fahren, und „Rai“ ist der Abhang. Am Ende geht der Schlitten zu Bruch – ein bekanntes, freies Schlittenlied haben wir übrigens in keinem alten Liederbuch gefunden.

Auch „A, B, C, die Katze lief im Schnee“ ist ein alter Winterreim; er bekommt bald eine eigene Seite.

Bekannte neuere Winterlieder

Viele Winterlieder, die heute in Kitas und Schulen beliebt sind, sind erst nach 1950 entstanden. Ihre Texte sind urheberrechtlich geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod der Autorinnen und Autoren vergangen sind. Wir nennen sie hier mit Titel und Urheber, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Liederbüchern der Verlage:

  • „Es schneit! Es schneit! Kommt alle aus dem Haus!“ und „Winterkinder“ – Text und Musik: Rolf Zuckowski (1987)
  • „Ein kleiner weißer Schneemann“ – deutscher Text zu „Jingle Bells“ von Werner Twardy (1968)
  • „Ich bin ein kleiner Schneemann“ – Volker Rosin
  • „Schneemann, Schneemann, wie siehst du aus?“ – Manfred Hinrich
  • „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ in der Winterfassung – Text: Paul Hermann (1939)

Bei einigen beliebten Liedern wie „Schneemann, rolle, rolle“ ist die Herkunft ungeklärt – solange wir keinen alten Druck finden, drucken wir sie nicht ab.

Mehr für die kalte Jahreszeit

Verse zum Aufsagen findest du bei den Wintergedichten, Lieder für den Advent bei den Weihnachtsliedern.

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