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Fingerspiele für Winter und Advent

Wenn es draußen früh dunkel wird, ist Zeit für Fingerspiele am warmen Tisch. Hier findest du alte Verse für Winter, Advent, Nikolaus und Weihnachten – von fünf Engeln, die ein Süppchen kochen, bis zum Christkind, das auf einem Esel kommt. Die Bewegungen dazu haben wir selbst beschrieben: In den alten Büchern stehen die Verse fast immer ohne Anleitung.

Passt abetwa 1½ Jahren
Hier6 alte Verse + 1 Spielidee
ThemenSchnee, Engel, Nikolaus, Christkind
JahreszeitNovember bis Februar

Die Verse

Fünf Engel haben gesungen

Fünf Engel haben gesungen,
Fünf Engel kommen gesprungen:
Der erste bläst das Feuer an,
Der andre stellt das Pfännel dran,
Der dritte schütt das Süppchen nein,
Der vierte tut brav Zucker drein.
Der fünfte sagt: ’s ist angericht:
Iss, mein Kindchen, brenn dich nicht.
Karl Simrock, Das deutsche Kinderbuch, Frankfurt am Main 1848, S. 14.

So geht’s (heutige Spielweise): Bei jeder Zeile einen Finger antippen, mit dem Daumen beginnend – jeder Finger ist ein Engel. Beim fünften Engel die ganze Hand öffnen und so tun, als würdet ihr auf den Löffel pusten. Früher sprach man den Vers, wenn die Suppe noch zu heiß war. „Pfännel“ ist ein Pfännchen, „angericht“ heißt: Das Essen steht bereit.

Es schneit, es schneit – Handschuhe für alle

Es schneit, es schneit,
Dass ’s Fetze geit (gibt),
Baura stricket Hänschich: (Handschuhe)
Mir a Paar,
Dir a Paar,
Na haun mer doch au Hänschich.
Ernst Meier, Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, Tübingen 1851, S. 26 (Klammern: Meiers Erklärungen).

So geht’s: Die Finger als Flocken von oben rieseln lassen. Bei „Mir a Paar, dir a Paar“ erst auf die eigenen Hände, dann auf die des Kindes zeigen – und am Ende die Hände warm reiben. „Baura stricket Hänschich“ heißt: Die Bauersleute stricken Handschuhe.

D’Engele han ’s Bedd gemacht – Schnee aus dem Elsass

D’Engele han ’s Bedd gemacht,
D’Fedre flieje ’runder.
All Da do schlofe sie,
Z’Nacht do sinn sie munder.
Wäre sie nidd munder z’Nacht,
Wer hätt’ denn mien Kind bewacht?
August Stöber, Elsässisches Volksbüchlein, Straßburg 1842, S. 42–43.

So geht’s: Mit den Fingern Federn fallen lassen; bei „schlofe“ den Kopf auf die gefalteten Hände legen, bei „munder“ die Augen aufreißen. Das Bild: Die Engel schütteln ihre Betten, und die Federn fallen als Schnee – wie bei Frau Holle. „All Da“ heißt tagsüber, „z’Nacht“ nachts.

Klopfe, klopfe, Hämmerla – ein Advents-Brauch aus Franken

Klopfe, klopfe, Hämmerla!
’s Brod liegt in’n Kämmerla,
’s Messer liegt darneben,
Sollt ener eppes geben,
Gutthal, Gutthal und mein G’sell’n a en Thal.
Franz Magnus Böhme, Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, Leipzig 1897, S. 369 (Franken).

In Franken und Bayern zogen Kinder früher an den Donnerstagen vor dem Fest, den Klöpfelnächten, von Haus zu Haus, klopften mit kleinen Holzhämmern an die Türen und sagten diesen Vers auf – dafür gab es Brot oder Gebäck. So spielt ihr es heute: mit den Fingerknöcheln im Takt auf den Tisch klopfen, bei „’s Messer liegt darneben“ mit der Handkante „schneiden“. Zu Hause oder in der Kita, nicht an fremden Türen. „Hämmerla“ ist ein Hämmerchen, „eppes“ heißt etwas.

Heiliger Sankt Nikolaus

Heiliger St. Nicolaus,
Komm’ in meines Vaters Haus;
Leg’ mir schöne Sachen ein,
Dann will ich ein bravs Büble (Mädle) sein.
St. Niklas ist ein braver Mann,
Bringt den kleinen Kindern was,
Die großen lässt er laufen,
Die können sich was kaufen.
Böhme 1897, S. 367–368 (Schwaben und Rheinland).

So geht’s: Beim ersten Vers die Hände falten und am Ende einen Schuh oder Teller hinstellen. Der zweite ist ein Scherzvers: Bei „Die großen lässt er laufen“ laufen zwei Finger über den Tisch davon.

Christkindele, Christkindele – aus dem Elsass

Christkindele, Christkindele,
Kumm du zue uns ’eryn!
Merr hänn e frisch’s Heubindele
Unn au e Gläsele Wyn.
E Bindele
Fir’s Essele,
Fir’s Kindele
E Gläsele,
Unn bete kenne merr au!
August Stöber, Elsässisches Volksbüchlein, Straßburg 1842, S. 59.

Im Elsass kam das Christkind auf einem kleinen Esel. Darum stellten die Kinder am Heiligen Abend ein Heubündel vor die Tür ihres Zimmers – für das „Essele“, das Eselchen. Das „Gläsele Wyn“ war fürs Christkind selbst gedacht. So geht’s: mit beiden Händen eine Tür öffnen, ein gedachtes Heubündel hinlegen und zum Schluss die Hände falten.

Handschatten an der Wand

Ein altes Winterabendspiel ganz ohne Vers: Eine Lampe ohne Schirm, eine helle Wand – und schon werden die Hände zu Tieren. Schon um 1900 beschrieb ein Sammler, dass meist der Vater die Figuren vormachte und die Kinder sie schnell nachmachten. Probiert einen Hasen (zwei Finger als Ohren), einen Hund (Daumen als Ohr, kleiner Finger als Unterkiefer) oder einen Vogel (die Daumen verhaken, die Finger flattern).

Warum hier nicht mehr Winter-Fingerspiele stehen

Viele beliebte Winter- und Advents-Fingerspiele über Schneeflocken, Schneemänner oder Wichtel sind neu. Manche haben bekannte Verfasserinnen, bei anderen ist die Herkunft ungeklärt. Solche Texte drucken wir nicht ab.

Mehr für Winter und Advent

Lieder findest du bei den Weihnachtsliedern und den Winterliedern, alle Fingerspiele bei den Fingerspielen.

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