Wenn der erste Schnee fällt, wollen Kinder hinaus – und hinterher wird gesungen. Hier findest du alte Winterlieder mit vollständigem Text: vom Winter, der ein rechter Mann ist, über Schlitten und Schneemann bis zum Abschied im Frühjahr. Dazu Ideen für drinnen und draußen und Hinweise, von wem die neueren Winterlieder sind.
Winterlieder und -reime mit eigener Seite
- Schneeflöckchen, Weißröckchen – das Lied für den ersten Schnee.
- Es schneit, es schneit – wer das bekannte Lied geschrieben hat, und alte Schneereime zum Mitsprechen.
- Fingerspiele für Winter und Advent – Verse von Engeln, Schnee und Christkind.
Winterlieder drinnen und draußen
Wenn es draußen schneit, wollen Kinder hinaus – und wenn sie mit roten Wangen wieder hereinkommen, wird gesungen. Winterlieder lassen sich wunderbar mit Bewegung verbinden: Schneeflocken tanzen, Schlitten fahren, frieren und sich wieder warm reiben.
- Schneeflockentanz: Seidentücher oder Papierschnipsel zum Lied durch die Luft wirbeln lassen.
- Winterspaziergang: ein Lied vorher üben und unterwegs singen – das wärmt.
- Frieren und aufwärmen: Bei kalten Zeilen zittern, bei warmen die Hände reiben.
- Liedblatt ans Fenster: ausdrucken und neben die Eisblumen hängen.
Winterlieder mit Text
A, a, a, der Winter der ist da
Ein Buchstabenspiel: Die fünf Strophen beginnen der Reihe nach mit A, E, I, O und U. Darin geht es um Eisblumen an der Scheibe, um arme Leute, die frieren müssen, und um die Vorfreude aufs Christkind. Heute singt man in manchen Strophen andere Mittelzeilen; deren Herkunft ist ungeklärt, deshalb steht hier die alte Fassung.
Herbst und Sommer sind vergangen,
Winter der hat angefangen.
A, a, a, der Winter ist nun da!
Blumen blüh’n an Fensterscheiben,
Sind sonst nirgends aufzutreiben.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
Hat ja nichts, sich zuzudecken,
Wenn ihn Frost und Kälte schrecken.
I, i, i, vergiss des Armen nie!
Wenn das Christkind tut was bringen,
Und „Vom Himmel hoch“ sie singen.
O, o, o, wie sind die Kindlein froh!
Christkind lieben, Christkind loben
Mit den vielen Engeln droben.
U, u, u, ich weiß wohl, was ich tu.
Woher die Flocken überall
Um 1824 dichtete ein Leipziger Lehrer, W. Vater, dieses Lied vom ersten Schnee: Die Kinder spannen sich selbst vor den Schlitten, bauen einen Schneemann, größer als sie selbst, und warten sehnsüchtig auf Weihnachten. Heute ist das Lied fast vergessen – dabei steckt der ganze Winter darin.
so locker, weiß und fein?
Woher die Flocken ohne Zahl?
Es mag wohl Winter sein.
Wir spannen selbst uns dran.
Im Winter ist ja, wie bekannt,
Für uns die Schlittenbahn.
Da wird von manchem Kind
Ein großer Schneemann aufgebaut,
Viel größer, als wir sind.
Wenn’s kalt wird, friert und schneit:
Da kommt ja auch der heil’ge Christ,
Der Kinder stets erfreut.
Der Winter ist ein rechter Mann
Matthias Claudius hat das Gedicht 1782 unter der Überschrift „Ein Lied, hinterm Ofen zu singen“ herausgebracht. Der Winter ist darin ein kerngesunder, abgehärteter Kerl, der Blumen und Wärme verachtet und über klirrenden Frost lacht. Der Witz: Man singt es selbst im Warmen am Ofen. Die heute bekannte Melodie ist anonym, auch wenn sie lange Johann Friedrich Reichardt zugeschrieben wurde.
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht Süß noch Sauer.
Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
Und schläft im kalten Zimmer.
Und lässt’s vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluss im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.
Weiß er sich nichts zu machen,
Hasst warmen Drang und warmen Klang
Und alle warme Sachen.
Wenn’s Holz im Ofen knittert,
Und an dem Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;
Und Teich’ und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das hasst er nicht,
Denn er will sich tot lachen. —
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.
- kernfest: kräftig, nicht kleinzukriegen.
- Vapeurs: ein altes Wort für Launen und Unwohlsein.
- Fluss im Zahn: Zahnschmerzen; Kolik: Bauchschmerzen.
- knittert: knistert – das Holz im Ofen.
Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder
Ein Kreisspiel über die vier Jahreszeiten: Jedes „Kind“ der Mutter hat ein Geschenk dabei – der Winter bringt den Schnee. Alle gehen im Kreis, und am Ende dreht sich jeder dreimal um die eigene Achse.
die hatte vier Kinder:
den Frühling, den Sommer,
den Herbst und den Winter.
der Sommer bringt Klee,
der Herbst, der bringt Trauben,
der Winter bringt Schnee.
das muss man verstehn,
da muss man sich dreimal
im Kreise umdrehn.
O wie ist es kalt geworden
Ein Lied für den Spätwinter von Hoffmann von Fallersleben: Nur die erste Strophe zeigt den grauen Winter, dann sehnt sich das Lied nach grünen Tälern, Herdenglocken und singenden Vögeln. „Schalmeien“ sind Hirtenflöten.
Und so traurig, öd’ und leer!
Raue Winde wehn von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.
Möchte sehn ein grünes Tal,
Möcht’ in Gras und Blumen liegen
Und mich freun am Sonnenstrahl;
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.
Winter, ade!
Wenn der Winter endlich geht, singt man dieses Lied – ebenfalls von Hoffmann von Fallersleben. Die alte Redensart „Scheiden tut weh“ dreht er um: Vom Winter trennt man sich gern, und wenn er nicht bald geht, lacht ihn der Kuckuck aus.
Scheiden tut weh.
Aber dein Scheiden macht,
dass jetzt mein Herze lacht.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Scheiden tut weh.
Gerne vergess’ ich dein,
kannst immer ferne sein.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Scheiden tut weh.
Gehst du nicht bald nach Haus,
lacht dich der Kuckuck aus.
Winter, ade!
Scheiden tut weh.
Am Winter, wenns regnet und schneit – ein Schlittenreim
so nimm i mis Schlittli und reit,
und rite bis unten am Rai,
bis mer mis Schlittli verheit.
Ein Spruch aus der Schweiz fürs Schlittenfahren: „Schlittli“ ist der Schlitten, „reiten“ heißt hier fahren, und „Rai“ ist der Abhang. Am Ende geht der Schlitten zu Bruch – ein bekanntes, freies Schlittenlied haben wir übrigens in keinem alten Liederbuch gefunden.
Auch „A, B, C, die Katze lief im Schnee“ ist ein alter Winterreim; er bekommt bald eine eigene Seite.
Bekannte neuere Winterlieder
Viele Winterlieder, die heute in Kitas und Schulen beliebt sind, sind erst nach 1950 entstanden. Ihre Texte sind urheberrechtlich geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod der Autorinnen und Autoren vergangen sind. Wir nennen sie hier mit Titel und Urheber, damit du sie findest – den Text bekommst du in den Liederbüchern der Verlage:
- „Es schneit! Es schneit! Kommt alle aus dem Haus!“ und „Winterkinder“ – Text und Musik: Rolf Zuckowski (1987)
- „Ein kleiner weißer Schneemann“ – deutscher Text zu „Jingle Bells“ von Werner Twardy (1968)
- „Ich bin ein kleiner Schneemann“ – Volker Rosin
- „Schneemann, Schneemann, wie siehst du aus?“ – Manfred Hinrich
- „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ in der Winterfassung – Text: Paul Hermann (1939)
Bei einigen beliebten Liedern wie „Schneemann, rolle, rolle“ ist die Herkunft ungeklärt – solange wir keinen alten Druck finden, drucken wir sie nicht ab.
Mehr für die kalte Jahreszeit
Verse zum Aufsagen findest du bei den Wintergedichten, Lieder für den Advent bei den Weihnachtsliedern.