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Morgen kommt der Weihnachtsmann

„Morgen kommt der Weihnachtsmann“ hat Hoffmann von Fallersleben vor fast 200 Jahren geschrieben. Wer das Original liest, staunt: Das Kind wünscht sich darin Trommel, Gewehr und Säbel. Hier findest du den Originaltext, eine alte Fassung ganz ohne Kriegsspielzeug, die Erklärung der alten Wörter und die Geschichte des Lieds.

Passt ab3 Jahren
TextHoffmann von Fallersleben, 1835
Melodieheute eine alte französische Weise
Strophen3
AnlassAdvent, Heiligabend

Der Originaltext von 1835

1
Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn’ und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegesheer
Möcht’ ich gerne haben.
2
Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring’ auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!
3
Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennst ja unsre Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.
Erstdruck: Deutscher Musenalmanach für das Jahr 1837, Leipzig, S. 294 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

Alte Wörter, kurz erklärt

  • Musketier und Grenadier: Spielzeugsoldaten, wie sie damals beliebt waren.
  • Zottelbär und Panthertier: Stofftiere oder geschnitzte Tiere.
  • Warten dein mit Schmerzen: Wir warten sehnsüchtig auf dich.

Warum im Original Gewehr und Säbel vorkommen

1835 war Spielzeug oft ein Abbild der Erwachsenenwelt – und dazu gehörten Soldaten. Trommel, Säbel und Zinnsoldaten lagen damals unter vielen Weihnachtsbäumen. Heute möchten viele Eltern und Kitas das nicht mehr singen. Neuere Fassungen ohne Kriegsspielzeug stammen von späteren Textern und sind urheberrechtlich geschützt; deshalb stehen sie hier nicht. Es gibt aber eine alte Umdichtung, die schon 1874 in einem Schweizer Kindergartenbuch stand – frei und ohne Waffen:

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben.
Weiss schon was er uns beschert,
weil es jedes Kind begehrt.
Ball und Spielzeug aller Art
Möcht’n wir gerne haben.
Viele Lichter sind am Baum,
Blendend ist die Helle;
Bald doch siehst vergold’te Nüss,
Zuckersachen bunt und süß,
Äpfel auch und Mandelkern
Schöne Ding’ ohn’ Ende.
Lieber doch sind mir der Ball,
Peitsche, Trommel, Pfeife,
Kugel, Kegel, Stock und Reif,
Schaukelross mit langem Schweif —
Darauf längst schon freu ich mich —
Weihnachtsmann, hoch lebe!
Karl Völker, Die Volksschule, Bd. 1, Schaffhausen 1874, S. 48; Verfasser der Umdichtung unbekannt (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

In dieser Fassung gibt es Ball, Kegel, Schaukelpferd und vergoldete Nüsse. Nur Trommel und Pfeife sind geblieben – als Musikinstrumente.

So singt ihr es gemeinsam

  1. Die Melodie kennen die meisten Kinder schon – sie gehört auch zu „Twinkle, Twinkle, Little Star“.
  2. Bei den Wunschzetteln im Lied zählen die Kinder an den Fingern mit, was sie sich wünschen würden.
  3. In der letzten Strophe des Originals kommt die ganze Familie vor: Kinder, Vater, Mama und Großpapa – dabei zeigt jedes Kind auf ein Familienmitglied im Kreis.

Woher das Lied kommt

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), der auch „Alle Vögel sind schon da“ geschrieben hat, dichtete das Lied 1835. Zwei Jahre später erschien es gleich zweimal: in einem Jahrbuch mit neuen Gedichten und in seinem eigenen Gedichtband. Gesungen wurde es zuerst nach einer Weise von Ernst Richter, einem Musiklehrer aus Schlesien. Heute klingt es nach einer alten französischen Weise aus dem 18. Jahrhundert, „Ah ! vous dirai-je, maman“. Seit wann das Lied so gesungen wird, ist nicht genau bekannt.

Ideen für Kita und zu Hause

  • Wunschzettel malen: Was würde sich ein Kind vor 190 Jahren wünschen, was wünschst du dir?
  • Spielzeug damals und heute: Kreisel, Kegel, Schaukelpferd – was davon gibt es noch?
  • Eine Melodie, viele Lieder: Welche Lieder kennt ihr noch auf diese Melodie?

Druckvorlage: der Originaltext mit allen drei Strophen.

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