Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Morgen, Kinder, wird’s was geben

„Morgen, Kinder, wird’s was geben!“ – kein Lied fängt die Vorfreude auf Heiligabend so gut ein. Hier findest du alle sieben Strophen aus dem Jahr 1809, erfährst, was ein Räderpferdchen und ein Sägemann sind, und wie das Lied entstanden ist. Dazu gibt es eine Druckvorlage.

Passt ab3 Jahren
Textgedruckt 1795, nach einer Vorlage von 1782
MelodieCarl Gottlieb Hering, 1809
Strophen7, meist gesungen 1–2
Anlassder Tag vor Heiligabend

Der Liedtext

1
Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freun!
Welche Wonne, welches Leben
Wird in unserm Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heißa, dann ist’s Weihnachtstag!
2
Wie wird dann die Stube glänzen
Von der großen Lichter Zahl!
Schöner als bei frohen Tänzen
Ein geputzter Kronensaal!
Wisst ihr noch, wie vor’ges Jahr
Es am heil’gen Abend war?
3
Wisst ihr noch mein Räderpferdchen,
Malchens nette Schäferin,
Jettchens Küche mit dem Herdchen
Und dem blankgeputzten Zinn,
Heinrichs bunten Harlekin
Mit der gelben Violin?
4
Wisst ihr noch den großen Wagen
Und die schöne Jagd von Blei,
Unsre Kleiderchen zum Tragen
Und die viele Näscherei,
Meinen fleißgen Sägemann
Mit der Kugel untendran?
5
Welch ein schöner Tag ist morgen!
Neue Freude hoffen wir.
Unsre guten Eltern sorgen
Lange, lange schon dafür.
O gewiss, wer sie nicht ehrt,
Ist der ganzen Lust nicht wert.
6
Nein, ihr Schwestern und ihr Brüder,
Lasst uns ihnen dankbar sein,
Und den guten Eltern wieder
Zärtlichkeit und Liebe weihn,
Und aufs redlichste bemühn,
Alles, was sie kränkt, zu fliehn.
7
Lasst uns nicht bei den Geschenken
Neidisch aufeinander sehn;
Sondern bei den Sachen denken:
Wie erhalten wir sie schön?
Dass uns ihre Niedlichkeit
Lange noch nachher erfreut.
Text und Melodie nach Carl Gottlieb Hering, Neue praktische Singschule für Kinder, 4. Bändchen, Leipzig 1809, S. 32–33 (Rechtschreibung behutsam modernisiert). Erstdruck des Textes: Lieder zur Bildung des Herzens, hrsg. von C. F. Splittegarb, 2. Auflage, Berlin 1795, S. 317–319.

Heute singt man in der ersten Strophe meist „Welch ein Jubel, welch ein Leben“ – diese Fassung ist seit 1873 gedruckt. Die Strophe mit „Puppenstube, Puppenherd“, die in manchen neueren Liederbüchern steht, haben wir in keinem Druck vor 1956 gefunden; deshalb fehlt sie hier.

Das Spielzeug von damals

  • Räderpferdchen: ein Holzpferd auf Rädern zum Hinterherziehen.
  • Schäferin und Harlekin: kleine Figuren – eine Hirtin und ein bunter Spaßmacher mit Geige.
  • Küche mit dem Herdchen: eine Puppenküche mit Töpfen aus Zinn.
  • Jagd von Blei: Figuren aus Blei oder Zinn, die eine Jagd mit Reitern und Hunden zeigen.
  • Sägemann: eine Holzfigur, die zu sägen beginnt, wenn man die Kugel darunter anstößt.
  • Kronensaal: ein Festsaal mit Kronleuchter.

Welche Strophen singt man?

Die meisten singen nur die ersten beiden Strophen – sie erzählen von der Vorfreude und dem Lichterglanz. Die Strophen drei und vier zählen die Geschenke des letzten Jahres auf, die letzten drei erinnern daran, den Eltern dankbar zu sein und nicht neidisch auf die Geschenke der Geschwister zu schauen. Für Grundschulkinder sind gerade diese Strophen ein guter Anlass zum Gespräch.

Woher das Lied kommt

Ein Vorbild erschien schon 1782 ohne Verfassernamen in Joachim Heinrich Campes Kinderbibliothek: „Frizchens Weihnachtsfreude“ beginnt mit „Morgen! morgen wird’s was geben!“. 1795 stand das Lied in der heute bekannten Form in einer Berliner Liedersammlung, die der Schulgründer Karl Friedrich Splittegarb herausgab; oft wird er auch als Dichter genannt. Die Melodie stammt von Carl Gottlieb Hering, einem Musikpädagogen, der sie 1809 drucken ließ. Die Angabe, der Text stamme von „Philipp von Bartsch“, ist ein Irrtum: Bartsch gab 1811 nur eine Melodiensammlung heraus.

Übrigens: Erich Kästner hat 1927 eine bittere Parodie auf das Lied geschrieben, das „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“. Sie ist urheberrechtlich geschützt und steht deshalb hier nicht.

Ideen für Kita und Grundschule

  • Spielzeug-Museum: altes Spielzeug von Großeltern mitbringen – ist ein Räderpferdchen dabei?
  • Adventskalender-Lied: jeden Abend im Dezember eine Strophe, am 23. alle zusammen.
  • Gesprächsrunde: Wie kann man Geschenke „schön erhalten“? Was heißt teilen und nicht neidisch sein?

Druckvorlage: das Liedblatt mit allen sieben Strophen.

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