Mit Anleitung · Herkunft · Druckvorlage

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

Kein Martinsumzug ohne dieses Lied: „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“ erzählt in vier Strophen die Geschichte vom Soldaten, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt. Hier findest du den alten Text, eine Idee zum Nachspielen, die Herkunft des Lieds und eine Druckvorlage.

Passt ab3 Jahren
AnlassMartinstag am 11. November, Martinsumzug
Text und Melodieüberliefert, Rheinland
Ältester Belegum 1900, Volltext 1904
Strophen4
FördertErzählen, Mitgefühl, Teilen

Der Liedtext

1
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,
Sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
Sein Mantel deckt ihn warm und gut.
2
Im Schnee da saß ein alter Mann,
Hat Kleider nicht, hat Lumpen an.
„Ach helft mir doch in meiner Not,
Sonst ist der bittre Frost mein Tod!“
3
Sankt Martin zieht die Zügel an,
Das Ross steht still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt
Den warmen Mantel unverweilt.
4
Sankt Martin gibt den halben still,
Der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil
Hinweg mit seinem Mantelteil.
Text nach Rud. Clement, „Ein Martinsabend in Düsseldorf“, Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde 1904, S. 134 (Rechtschreibung behutsam modernisiert).

Beim Singen wird oft „Sankt Martin, Sankt Martin“ wiederholt – das gehört zur Melodie und steht im alten Druck nicht eigens da. Das Wort „unverweilt“ in der dritten Strophe bedeutet „ohne zu zögern“.

Zum Nachspielen

Das Lied ist eine kleine Geschichte – Kinder spielen sie am liebsten mit verteilten Rollen. Ihr braucht nur ein großes Tuch als Mantel und eine Schere aus Pappe als Schwert.

  1. Strophe 1: Ein Kind ist Sankt Martin und „reitet“ auf einem Steckenpferd durch den Raum; das Tuch liegt als Mantel um seine Schultern.
  2. Strophe 2: Ein anderes Kind sitzt als Bettler zusammengekauert am Rand und reibt sich fröstelnd die Arme.
  3. Strophe 3: Martin hält an, steigt ab und „teilt“ den Mantel mit der Pappschere – das Tuch lässt sich einfach falten.
  4. Strophe 4: Martin legt dem Bettler eine Hälfte um und reitet weiter. Der Bettler winkt ihm dankbar nach.
  5. Danach die Rollen tauschen – jedes Kind darf einmal Martin sein.

Ab welchem Alter – und was es fördert

Ab etwa drei Jahren verstehen Kinder die Geschichte, besonders wenn sie sie vorher gehört haben. Das Lied lädt ein, über Teilen und Mitgefühl zu sprechen: Wie fühlt sich der Bettler? Was hätten wir gemacht? Weil jede Strophe ein Bild ist, merken sich Kinder die Abfolge der Geschichte leicht.

Woher das Lied kommt

Das Lied stammt aus dem katholischen Rheinland. Schon im Jahr 1900 wurde es als „altes Legendenlied“ bezeichnet; den vollständigen Text mit diesen vier Strophen beschreibt 1904 ein Bericht über einen Martinsabend in Düsseldorf. Damals kamen dort und in Köln die Martinszüge auf, bei denen Kinder mit Laternen durch die Straßen zogen. Einen Verfasser nennt keine der alten Quellen.

In manchen Liederbüchern stehen heute weitere Strophen, etwa über Martins Traum in der Nacht danach. Für sie haben wir keinen Druck aus der Zeit vor 1956 gefunden – deshalb findest du hier die vier Strophen, die 1904 belegt sind.

Ideen für Kita und Grundschule

  • Vorher erzählen: Lest vor dem Singen die Geschichte von Sankt Martin – dann wissen die Kinder, wovon sie singen.
  • Teilen üben: einen Weckmann oder eine Martinsbrezel in der Gruppe teilen und dabei die vierte Strophe singen.
  • Bilderfolge: Jede Strophe als Bild malen und die Bilder in die richtige Reihenfolge legen.
  • Grundschule: Warum teilt Martin nur die Hälfte? Gemeinsam überlegen – eine alte Erklärung lautet, dass die andere Hälfte des Mantels dem Heer gehörte.

Druckvorlage: alle vier Strophen auf einer Seite – für den Martinsumzug oder den Liederordner.

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