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Die Geschichte von Sankt Martin – kindgerecht erzählt

Warum tragen wir im November Laternen durch die Straßen? Und warum teilt ein Soldat seinen Mantel? Hier findest du die Geschichte von Sankt Martin zum Vorlesen – in etwa fünf Minuten erzählt und schon für Kinder ab drei Jahren verständlich. Darunter erfährst du, was man über den echten Martin weiß und woher die Bräuche am Martinstag kommen.

Vorlesezeitetwa 5 Minuten
Passt ab3 Jahren
Martinstag 2026Mittwoch, 11. November
Martin lebteum 316 bis 397
ThemaTeilen, Helfen, Mut

Die Geschichte zum Vorlesen

Vor sehr langer Zeit, vor mehr als 1600 Jahren, lebte ein Junge, der Martin hieß. Sein Vater war Offizier im Heer der Römer, und so musste auch Martin Soldat werden, als er gerade fünfzehn Jahre alt war. Er bekam ein Pferd, ein Schwert und einen großen, warmen Mantel.

Martin war ein besonderer Soldat. Er war freundlich zu allen Menschen, und wenn jemand Hilfe brauchte, half er, so gut er konnte.

In einem Winter lag Martin mit seinen Soldaten in einer Stadt in Frankreich, die Amiens heißt. Es war bitterkalt. Schnee lag auf den Wegen, und der Wind pfiff durch die Gassen. Als Martin am Abend auf seinem Pferd zum Stadttor ritt, sah er dort einen Mann im Schnee sitzen. Der Mann hatte fast nichts an und zitterte am ganzen Körper.

Viele Leute gingen an dem Mann vorbei. Niemand blieb stehen. Aber Martin hielt sein Pferd an. Er hatte kein Geld dabei und nichts zu essen – nur seinen Mantel. Da nahm Martin sein Schwert und schnitt den Mantel mitten durch. Die eine Hälfte legte er dem frierenden Mann um die Schultern, die andere behielt er selbst.

Einige Leute lachten über Martin, weil er nun in einem halben Mantel dastand. Andere schämten sich, weil sie selbst nicht geholfen hatten. Der Mann am Tor aber war nicht mehr allein mit der Kälte.

In der Nacht hatte Martin einen Traum. Er sah Jesus, und Jesus trug die Hälfte seines Mantels. Da verstand Martin: Wer einem armen Menschen hilft, der tut etwas Gutes für Gott. Bald darauf ließ er sich taufen. Später hörte er auf, Soldat zu sein, denn er wollte nicht mehr kämpfen, sondern Menschen helfen.

Viele Jahre danach wollten die Leute in der Stadt Tours, dass Martin ihr Bischof wird. Doch Martin fand, er sei dafür nicht gut genug, und versteckte sich in einem Gänsestall. Aber die Gänse schnatterten so laut, dass alle ihn fanden. So wurde Martin doch Bischof – und half den Armen und Kranken, bis er ein alter Mann war.

Martin starb im November. Am 11. November wurde er begraben. Seitdem denken die Menschen an diesem Tag an ihn: Sie ziehen mit Laternen durch die Straßen, singen Lieder und teilen miteinander – so wie Martin seinen Mantel geteilt hat.

Was man über den echten Martin weiß

Martin wurde um das Jahr 316 in Savaria geboren, einer römischen Stadt im heutigen Ungarn, die heute Szombathely heißt. Aufgewachsen ist er in Pavia in Norditalien. Als junger Reitersoldat kam er nach Gallien, ins heutige Frankreich. Die Geschichte vom geteilten Mantel hat Sulpicius Severus aufgeschrieben, ein Zeitgenosse, der Martin noch persönlich kannte.

Nach seiner Zeit als Soldat lebte Martin als Mönch und gründete bei Poitiers eines der ersten Klöster in Gallien. Im Jahr 371 wurde er Bischof von Tours. Er starb am 8. November 397 in Candes an der Loire und wurde am 11. November in Tours beigesetzt – daher der Martinstag. Die Geschichte mit den Gänsen ist eine Legende, die erst später erzählt wurde.

Warum Laternen, Gänse und Weckmänner?

Laternen und Martinsfeuer

Im November wird es früh dunkel, und Lichter und Feuer gehören schon lange zu den Herbstbräuchen. Viele deuten die Laternen so: Wie Martin wollen wir ein wenig Licht in das Leben anderer bringen. Die großen Martinszüge mit einem Reiter im roten Mantel sind übrigens noch gar nicht so alt – sie kamen um 1900 im Rheinland auf, in Städten wie Düsseldorf und Köln.

Die Martinsgans

Zur Gänse-Legende passt ein alter Brauch. Der 11. November war früher ein wichtiger Tag im Bauernjahr: Die Ernte war eingebracht, Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn, und Pacht und Abgaben wurden fällig – oft auch in Form von Gänsen. Danach begann früher eine Fastenzeit bis Weihnachten. Vorher wurde noch einmal gut gegessen, und dazu gehörte der Gänsebraten.

Weckmann und Martinsbrezel

In vielen Gegenden gibt es am Martinstag ein Gebäck aus Hefeteig – im Rheinland den Weckmann mit Tonpfeife, anderswo Martinsbrezeln oder Martinshörnchen. Wenn ihr es in der Gruppe teilt, erinnert es an den geteilten Mantel.

Ideen für Kita und Grundschule

  • Mit Figuren erzählen: Martin, Pferd und Bettler aus Holzfiguren oder Papier – beim Vorlesen bewegen die Kinder die Figuren.
  • Mantel teilen: Ein großes rotes Tuch wird zum Mantel; ein Kind ist Martin, eines der Mann am Tor.
  • Gesprächsrunde: Wann hast du schon einmal etwas geteilt? Wie hat sich das angefühlt?
  • Weiter mit dem Lied: Nach der Geschichte passt „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“ – die Kinder erkennen jede Szene wieder.
  • Grundschule: Martins Weg auf der Karte verfolgen: Szombathely, Pavia, Amiens, Tours.

Mehr für die Laternenzeit

Alle Lieder zum Laternelaufen findest du bei den Laternen- und Martinsliedern.

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