Am Abend vor dem 6. Dezember putzen Kinder ihre Stiefel und stellen sie vor die Tür – und wenn der Nikolaus kommt, wird ein Vers aufgesagt. Hier findest du alte Nikolausgedichte vom kurzen Kita-Vers bis zum Knecht-Ruprecht-Gedicht, dazu die Herkunft der Verse und Tipps für einen entspannten Nikolausabend.
Auf einen Blick
- Lieber, guter Nikolaus – der bekannteste Aufsagvers, ab 2 Jahren
- Heiliger Sankt Nikolaus – ein Gebetlein aus Schwaben, ab 3 Jahren
- Sankt Niklas ist ein braver Mann – ein frecher Bittvers, ab 3 Jahren
- Sünter Klaas, du gode Blood – plattdeutsch, mit Übersetzung
- Martin Boelitz: Knecht Ruprecht – „Draußen weht es bitterkalt“, ab 4 Jahren
- Theodor Storm: Knecht Ruprecht – „Von drauß’ vom Walde komm ich her“, eigene Seite
Nikolausverse zum Aufsagen
Lieber, guter Nikolaus
Mit diesem Vers beschwichtigen Kinder den Nikolaus, wenn er mit der Rute kommt: Das Kind verspricht Besserung, wenn er die Rute nur wieder wegsteckt. 1929 beschrieben ihn Zeitungen im Rheinland und in Westfalen als Brauch aus Niedersachsen. Schon 1904 sprach ein Kind in Köln fast dieselben Worte – nur galten sie dort dem Weihnachtsmann.
sieh doch nicht so böse aus,
stecke deine Rute ein,
ich will auch immer artig sein.
sieh mich nicht so böse an,
stecke deine Rute ein,
ich will auch immer recht artig sein!
Heute sagen viele Kinder „schau mich nicht so böse an“ – eine kleine Abwandlung, die genauso gut passt.
Heiliger Sankt Nikolaus – ein Gebetlein aus Schwaben
Dieses kleine Bittgebet sprachen Kinder in Schwaben am Vorabend, bevor sie Schuh oder Teller bereitstellten: Sie bitten den Heiligen ins Haus ihrer Eltern und geloben dafür, artig zu sein.
Komm’ in meines Vaters Haus;
Leg’ mir schöne Sachen ein,
Dann will ich ein bravs Büble (Mädle) sein.
„Ein bravs Büble (Mädle)“ ist Schwäbisch für ein braves Bübchen oder Mädchen – je nachdem, wer den Vers aufsagt.
Sankt Niklas ist ein braver Mann – ein Bittvers
Mit Versen wie diesem baten Kinder früher um Gaben; man nennt sie Heischeverse, von „heischen“ für bitten und fordern. Der Witz steckt in der zweiten Hälfte: Die Kleinen bekommen etwas, und wer schon groß ist, soll sich sein Naschwerk selbst besorgen. Der Vers ist im Rheinland im 19. Jahrhundert belegt.
Bringt den kleinen Kindern was,
Die großen lässt er laufen,
Die können sich was kaufen.
Eine Zeitung aus Ratingen zitierte 1889 „das jetzige Sprüchlein“ so:
schenk’ den kleinen Kindern was,
lass die Großen laufen
die können sich was kaufen.
Daraus ist die heute bekannte Kita-Fassung geworden, die mit „Lieber, guter Nikolaus, bring den kleinen Kindern was“ beginnt. Genau in dieser Form haben wir sie in keinem alten Druck gefunden – die Unterschiede zu den alten Versen sind aber klein.
Sünter Klaas, du gode Blood – ein plattdeutscher Vers
In Norddeutschland hieß der Nikolaus „Sünter Klaas“, ganz ähnlich wie Sinterklaas bei den Nachbarn in den Niederlanden. Ein wenig Zuckerbrot wünschen sich die Kinder, genau die richtige Menge, und er soll es ihnen durch den Schornstein werfen – auf diesem Weg kam der Nikolaus nach altem Glauben ins Haus.
Bring’ uus ’n bäten Zuckerbrood,
Nig to föl un nig to min,
Smiet’t man in’n Schosteen ’rin.
Auf Hochdeutsch (unsere Übersetzung): Sankt Klaus, du gute Seele,, bring uns ein bisschen Zuckerbrot,, nicht zu viel und nicht zu wenig,, wirf’s einfach in den Schornstein rein. „Gode Blood“ heißt wörtlich „gutes Blut“ – gemeint ist eine gute Seele.
Knecht-Ruprecht-Gedichte
Martin Boelitz: Knecht Ruprecht
„Stipp-stapp“ – hier hört man Knecht Ruprecht förmlich durch den Schnee stapfen, und alle wollen wissen, was er in seinem Sack mitbringt. Martin Boelitz (1874–1918) stammte aus Wesel am Niederrhein und schrieb Heimat- und Kindergedichte. Der Komponist Max Reger vertonte das Gedicht 1910 als Lied.
Wer kommt da durch den Winterwald?
Stipp-stapp, stipp-stapp, huckepack,
Ruprecht ist’s mit seinem Sack.
Was ist denn in dem Sacke drin?
Äpfel, Mandel und Rosin
Und schöne Zuckerrosen,
Auch Pfeffernüß fürs gute Kind.
Die andern, die nicht artig sind,
Die klopft er auf die Hosen!
- huckepack: auf dem Rücken.
- Rosin: Rosinen.
- Zuckerrosen: Rosen aus Zucker, ein altes Naschwerk.
- Pfeffernüss: kleine Lebkuchen, die es in der Adventszeit gibt.
Die letzte Zeile droht mit Schlägen auf die Hose. Vor über hundert Jahren war das ein üblicher Spaß – heute bekommt kein Kind mehr Schläge. Wer mag, spricht die Zeile mit einem Augenzwinkern.
Theodor Storm: Knecht Ruprecht
Das berühmteste Knecht-Ruprecht-Gedicht, „Von drauß’ vom Walde komm ich her“, hat eine eigene Seite: Knecht Ruprecht von Theodor Storm – mit Worterklärungen und Tipps zum Aufsagen mit verteilten Rollen.
Warum der Nikolaus Geschenke bringt
Der heilige Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei. Um ihn ranken sich viele Legenden – etwa die, dass er drei armen Mädchen heimlich Gold schenkte. Deshalb bringt er Kindern bis heute in der Nacht zu seinem Gedenktag, dem 6. Dezember, kleine Geschenke.
Früher kam er in vielen Gegenden mit einem strengen Begleiter, der eine Rute trug – Knecht Ruprecht, Krampus oder Belsnickel. Die alten Verse erzählen davon. Heute steht der Nikolaus vor allem für Freundlichkeit und Teilen, und Angst muss vor ihm niemand haben.
So wird der Nikolausabend schön
- Stiefel putzen: am 5. Dezember gemeinsam die Stiefel putzen und vor die Tür stellen.
- Kurzer Vers für die Kleinen: Vier Zeilen wie „Lieber, guter Nikolaus“ reichen völlig.
- Keine Angst machen: Ein verkleideter Nikolaus mit Bart kann kleine Kinder erschrecken. Lass dein Kind Abstand halten und auf deinem Schoß bleiben, wenn es mag.
- Gemeinsam singen: Lasst uns froh und munter sein gehört zum Nikolausabend dazu.
Nicht abgedruckt
- „Das Nikolaus-ABC“ – James Krüss; urheberrechtlich geschützt.
- „Holler, boller, Rumpelsack“ – Albert Sergel (1876–1946). Den ursprünglichen Wortlaut konnten wir noch in keinem alten Druck prüfen, deshalb steht das Gedicht vorerst nicht hier.
Mehr für Advent und Weihnachten
Weitere Gedichte findest du bei den Weihnachtsgedichten, Fingerspiele mit Nikolausversen bei den Fingerspielen für Winter und Advent.